CMD.ACADEMY

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1957 schrieb Posselt bereits, dass eine Bewegung des Unterkiefers um die terminale Scharnierachse zwar den meisten Menschen möglich sei, im natürlichen Bewegungsmuster aber nicht vorkomme. Dem zum Trotz etablierte sich in den folgenden Dekaden die terminale Scharnierachse als Referenz bei der Modellübertragung und heute ist manch einer sogar der festen Überzeugung, dass wir mit unserem Unterkiefer in der Vertikalen tatsächlich solche Drehbewegungen um eine Achse ausführen.

Jeder, der Zugang zu einem Axiographiegerät hat, kann das heute für sich selbst nachprüfen, indem er den Patienten aufrecht setzt und ihm nicht das Kinn nach retral drückt, während er sen Mund auf und zu macht. Scharnierachsenbewegungen wird man so nicht finden! Warum programmieren wir dann unsere Artikulatoren mit ihnen? Spielt das vielleicht keine Rolle?

Die Modellübertragung ist aber nicht nur für die Wiedergabe von Vertikalbewegungen im Artikulator relevant. Klar, die Diskrepanz zwischen der natürlichen Öffnungs- und Schließbewegung und der im Artikulator dargestellten kann zu Fehlern führen, die auch ziemlich genau vorhersehbar sind. Ebenso wichtig ist jedoch im Artikulator die korrekte Darstellung der antero-posterioren Richtung und die kann man anhand der Ohrstöpsel an einem Gesichtsbogen nicht wirklich gesichert übertragen.

Aber selbst da hören die Kontroversen bei den üblichen Vorgehensweisen nicht auf. Es geht weiter, zur Einstellung des Artikulators und vor allem zur Bissregistrierung, mit der das untere Modell im Artikulator zum oberen orientiert wird. Dabei wollen wir Verschiebungen im Biss nach Möglichkeit ausgleichen, aber ersetzen wir bei einer Führung des Unterkiefers am Patienten mit unserer Hand womöglich nur eine Verschiebung durch die nächste? Woher wissen wir, mit welcher Zuordnung des Unterkiefers sich die Muskeln des Patienten am leichtesten tun, die ihn ja schließlich bewegen müssen?

Wo man hinblickt, gibt es alternative Sicht- und Vorgehensweisen. Im ITMR vermitteln wir seit Mitte der 80er Jahre ein Funktionsverständnis, bei dem man nicht schlechte Gene für die CMD verantwortlich machen muss, sondern deren Gründe findet, wenn man weiß, wo und wie man danach suchen muss. Manchmal liegt der Grund gerade bei Fehlern, die durch Vorbehandlungen eingebracht wurden und die sind dann kaum zu erkennen, wenn wir bei der Funktionsuntersuchung die gleichen fehlerhaften Vorgehensweisen anwenden!

Für all das braucht es keine komplizierten Geräte, denn die Hauptsache spielt sich im Kopf des Behandlers ab!

Die Kurse umfassen 4 Themenbereiche, die sich gegenseitig ergänzen:


Aktuelle Termine, sowie die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie auf www.cmd.academy

Das ITMR

Das Institut für Temporo-Mandibuläre Regulation (ITMR) wurde 1970 von Walter Schöttl gegründet wurde, um seinem Freund und Mentor, Prof. Harry Lundeen ein Forum zur Einführung seiner Aufwachslehre in Deutschland zu bieten. Das Logo des ITMR wurde übrigens von Heinz Polz gezeichnet, der als junger Techniker im Praxislabor von Walter Schöttl eingestellt worden war, eine Dekade lang im ITMR mitarbeitete und später die Okklusionskurse in Eigenregie weiterführte. Einige bekannte Referenten aus den USA hatten hier ihr erstes Debüt in Deutschland, darunter Prof. Lundeen, Bert Wiebrecht (Crozat-Technik), Dr. Bill Farrar (Arthrografie, Entdeckung der anterioren Diskusverlagerung) und später auch Dr. Robert Jankelson. 

Mit der Rückkehr von Rainer Schöttl aus den USA wechselte 1985 der Fokus im ITMR von der kiefergelenksorientierten Gnathologie zur neuromuskuläre Funktion des Kausystems und der Myozentrik nach Jankelson. Im ITMR bestehende Okklusalkonzepte wurden mit den Erkenntnissen von Jankelson kombiniert und im Lauf der Jahre erfolgte die Entwicklung einer Reihe neuer Instrumente zur Modellübertragung gemäß der neuromuskulären Funktion in den Artikulator und schließlich auch die Entwicklung eines neuen Artikulators, der habituellen Kieferbewegungen simuliert, statt arbiträr geführter. Über die Jahrzehnte ist ein Kursprogramm gewachsen, das eine neue Funktionslehre bildet, von der Diagnose bis zur okklusalen Gestaltung.

Powerkurs Modellübertragung und Myozentrik am 8.-9. 11. 2019 in Erlangen

In diesem Kurs werden die gängigsten Fehler bei der CMD diskutiert und alternative Techniken eingeübt, mit denen sie problemlos vermieden werden können. Was ist anders, worum geht es?

In der Gnathologie wird die Kieferposition/-bewegung in Form einer Drehachse (Scharnierachse) und Exkursionswinkeln in zwei Ebenen beschrieben, mit denen diese Achse entlang der                                                                                                                                         Grenzbewegungen in der Horizontalen verschoben wird. Das kann aus mehrfachen Gründen zu Fehlern und Ungenauigkeiten führen, wenn z. B. eine Bisslage im habituellen Bewegungsmuster ermittelt wird, im Artikulator dann aber um die terminale Scharnierachse (= retrale Grenzbewegung) abgesenkt wird. Beide Bewegungen weisen erkennbar unterschiedliche Vektoren auf, so dass es im Artikulator schnell zu Artefakten kommt.

Powerkurs "Neuromuskuläre CMD-Diagnostik" am 28-29. Juni 2019 in Erlangen

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Wenn die CMD sowieso kaum etwas mit den Zähnen zu tun hat, wozu braucht man dann den Zahnarzt? Gruppentherapie und Antidepressiva verschreibt der Psychiater mit wesentlich mehr Routine. Es gibt aber auch andere Sichtweisen, bei denen man keine emotionalen Entgleisungen oder schlechte Gene als Sündenbock für die CMD in Anspruch nehmen muss. Allerdings findet man kaum etwas, wenn man mit den gleichen Methoden sucht, die womöglich das Problem herbeigeführt haben!

Was fehlt, sind die Weichgewebe, vor allem Faszien und Muskeln. Sobald wir lernen, damit umzugehen und hier gesund von krank zu unterscheiden, wird der Blick frei für chronische Belastungsfaktoren, die es bei der CMD zu erkennen gilt.

Den Beweis können wir dann führen, wenn es mit simplen Mitteln gelingt, Unterschiede herbeizuführen und Beschwerden zu lindern. Hierfür ist ein gekonnter Umgang mit einfachen, vorkonfektionierten Bissbehelfen hilfreich. Oder liegt das primäre Problem doch einmal bei den Kiefergelenken? All das logisch zu erschließen, so dass ein praktikables Konzept entsteht, ist Ziel dieses zweitägigen Powerkurses!

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