Corona Digest

Überall wird man mit Informationen zum neuen Coronavirus bombardiert und es gibt vielfach Unsicherheit, wie ernst die Lage nun wirklich ist. Sind Masken nutzlos, oder schaden sie gar? Ist COVID-19 in Wirklichkeit nur ein Hype, mit dem man uns Angst machen will? 

Wenn heute nicht mehr alles einfach geglaubt wird, muss man sich nicht wundern. Man erinnere sich nur an die Schweinegrippe: Als schlimme Pandemie angekündigt, verlief sie einfach im Sand und die Millionen, die der Staat für Medikamente ausgegeben hatte, liefen ins Leere. Damals brauchte man aber nur einen Blick über den Grenzzaun in die Schweiz zu werfen, um eine andere Informationslage zu finden. Dort hatte das BAG längst entwarnt, als man in Deutschland noch immer zutiefst besorgt war – grundlos, wie sich am Ende herausstellte.

Bei COVID-19 zeichnet sich hingegen ein weltweit einheitliches Bild ab. In jedem Land, in dem man versuchte, das SARS-2 Virus zu ignorieren, gab es ein böses Erwachen. Und, obwohl die Krankheit in den allermeisten Fällen harmlos verläuft, schoss dann mit etwas Verzögerung auch die Zahl der Toten besorgniserregend in die Höhe. Zuerst passierte das in Italien, dann in Frankreich und Spanien, aber besonders gut zu beobachten – und zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon vorhersehbar – war dies in den USA, wo die Regierung versuchte, das Virus kleinzureden, anstatt über Gegenmaßnahmen nachzudenken. Bei annähernd 300 000 Neuinfektionen jeden Tag sind über eine Viertelmillion Tote nun die Quittung dafür und auf die Bevölkerung, die seit März unter mehr oder weniger extremen Auswirkungen leidet, rollt nun eine neue Infektionswelle zu, bei der sich traditionelle Familientreffen zu Thanksgiving und Weihnachten gegenseitig verstärken dürften.

Auch wenn eine Erkrankung am SARS-2 Virus meist milde verläuft, ist die Pandemie im Ganzen betrachtet keineswegs harmlos. Hier sterben vor allem die Alten, wodurch diese Pandemie Länder mit einer überalterten Bevölkerung (Beispiel Deutschland) und solche, wo mehrere Generationen unter einem Dach zusammen wohnen (Beispiel Indien) besonders bedroht sind. Was unterscheidet das SARS-2 Virus von der gewöhnlichen Grippe?

  1. Coronaviren wurden in den 60er Jahren erstmals gefunden und bisher sind sieben Arten bekannt, welche den Menschen infizieren und dabei Symptome von leichten Erkältungen bis hin zum Schweren Akuten Atemwegs-Syndrom (SARS) verursachen. Wie der Name besagt, ist das SARS-2 Virus das zweite, das beim Menschen derart schwere Lungenentzündungen auslösen kann. Dabei ist es nicht einfach eine Unterart eines harmlosen Grippevirus, gegen das man zumindest teilimmun ist, sondern ein neues Virus, gegen das man keinerlei Immunität hat, insofern man nicht schon daran erkrankt war.
  2. Weder eine besonders hohe Infektiosität noch eine bedrohliche Sterberate zeichnen es aus, sondern die schnelle Replikation im Rachen, welche die Weitergabe schon wenige Tage nach der Infektion ermöglicht, offenbar zu einem Zeitpunkt, zu dem der Infizierte oft noch gar nicht weiß, dass er sich angesteckt hat.
  3. Die Verbreitung verläuft ausgeprägt exponentiell, initial sehr flach und später explosiv („golfschlägerförmig“). Eine solche Entwicklung ist besonders schwer einschätzbar und macht die Ergreifung von Gegenmaßnahmen zu einem Zeitpunkt erforderlich, zu dem noch keine Bedrohungslage wahrgenommen wird. Das liegt besonders an zwei Eigenschaften dieser Pandemie:
  • Die Sterberate betrifft zu 90% alte Menschen. Die Infektion wird jedoch zunächst hauptsächlich von jungen, sozial aktiven Menschen getragen und es dauert eine ganze Weile, bis sie nach mehreren Infektionsgenerationen dann bei den Alten ankommt. Und dann dauert es nochmals 8-10 Wochen, bis die Sterberate tatsächlich reagiert. Doch zu diesem Zeitpunkt haben sich bereits viele weitere Alte angesteckt und Gegenmaßnahmen kommen für sie zu spät.
  • Die Überdispersion: Dieses Virus breitet sich nicht gleichmäßig aus (Dispersionsfaktor = 1), sondern in Klumpen (engl- „cluster“, Dispersionsfaktor = 0,1). Nur 10% der Infizierten verursachen über 80% der Infektionen, die allermeisten infizieren hingegen niemanden. Der Effekt persönlicher Schutzmaßnahmen ist so besonders schwer erkennbar ist, weil meist so oder so nichts passiert, bis man unvorsichtig wird und sich dann eben doch ansteckt. 
  • Diese Ansteckungen wurden initial von wenigen „Superspreadern" getragen, die andere gleich zu Dutzenden ansteckten, meist, ohne zu wissen, dass sie selbst mit dem SARS-2 Virus infiziert waren. Inzwischen haben sich Infektionsgeschehen jedoch feinkörnig verteilt, sodass Infektionen vermehrt im Kreis der Familie vorkommen, wenn ein Familienmitglied das Virus mit nachhause bringt. Dem Risiko, Ausscheidern des SARS-2 Viren zu nahe zu kommen, setzt man sich heute praktisch in jeder Menschenansammlung aus und in den meisten Gegenden dürfte man diesem Virus z. B. beim Einkaufen ziemlich wahrscheinlich begegnen. Nie war der persönliche Schutz so wichtig, wie in diesen Tagen!

Wie kann man also seinen Weg zwischen Gleichgültigkeit und Panik finden?

Durch möglichst vielseitige Information. In diesem Zusammenhang bin ich sehr dankbar, dass sich einige unserer Top-Virologen die Zeit nehmen, um die Öffentlichkeit in ihren Podcasts zu informieren. Sie sind zwar auch nur Menschen und haben nicht auf alles die richtige Antwort, aber man kann Puzzleteile aus verschiedenen Quellen zusammensetzen, bis sich ein stimmiges Bild abzeichnet, in dem alle Teile zusammenpassen..

Ich sehe ein Zeichen der Ehrlichkeit darin, dass man die Folgen des Podcasts mit Prof. Christian Drosten im NDR verfügbar hält, auch solche, in denen er sich revidieren musste. Er ist einer der maßgeblichen Berater der Bundesregierung und vermittelt hier neben aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Menge an virologischem Grundwissen. Nicht minder dankbar bin ich dem Podcast mit Prof. Kekulè im MDR. Er war früher schon an der Entwicklung von Pandemieplänen beteiligt und hat auf diesem Gebiet weitreichende Erfahrungen. Im Nachhinein haben sich etliche seiner Empfehlungen als korrekt erwiesen.

Doch kommen wir zur Sache: Was wissen wir heute gesichert über COVID-19?

  • Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über die Atemwege (Tröpfchen, Aerosol)
  • Masken bieten guten Schutz, solange sie zum Gesicht abdichten
  • Das Risiko an COVID-19 zu sterben hängt zu 90% vom Alter ab.

1. Übertragung des SARS-2 Virus

Kontakt- oder Schmierinfektionen verursachen nur etwa 10% der Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Hier ist die Gefahr hauptsächlich, dass man etwas anfasst, auf das richtiggehen infektiöser Schleim geschnmiert wurde, denn hier wie bei der Infektion über Tröpchen gilt, dass man eine ordentliche Dosis des SARS-2 Virus abbekommen muss, um sich zu infizieren. Solange man sich nicht mit ungewaschenen Händen in Mund, Nase, vielleicht auch Augen fasst, muss man sich darum kaum Sorgen machen. Am besten wäscht man sich immer sofort die Hände, sobald man nachhause kommt, bevor man dort etwas anrührt. Das neue Coronavirus ist ein behülltes RNA-Virus, das Proteine, auf die das Immunsystem reagiert, hinter einem Fettfilm versteckt. Seife reicht völlig aus, um diesen zu zerstören und das Virus unschädlich zu machen, aggressive Chemikalien sind hierfür nicht erforderlich.

Der Unterschied zwischen Tröpfchen und Aerosol liegt in der Größe der Tröpfchen. Große Tropfen fallen schnell zur Erde, etwas kleinere Tröpfchen mögen bis zu 2 m weit fliegen, was man auch durch ein Gesichtsschild verhindern könnte. Ab einer Tröpfchengröße von etwa 5 µm schweben sie jedoch über längere Zeit in der Luft und können sich so ansammeln – hier ist ein Gesichtsschild dann ohne nennenswerte Wirkung. Im Freien wird Aerosol schnell verblasen und ist daher kaum ein Problem. In geschlossenen Räumen ist dies nur durch Stoßlüften erreichbar, allerdings weniger effektiv. Aerosol wird beim Singen und Sprechen generiert, wobei die Stimmbänder wie Zerstäuber wirken. Es ist absehbar, dass sich Aerosol gerade in der kalten Jahreszeit und in geschlossenen Räumen als der wichtigste Infektionsvektor erweisen wird, vor allem, wenn man dem länger als 10-15 Minuten ausgesetzt ist. Vor einem Jogger, der einem im Freien entgegenkommt, muss man hingegen keine Angst haben.

2. Masken bieten guten Schutz

Um eine Infektion auszulösen, muss eine ausreichende Anzahl von Viren auf die Schleimhäute der oberen Atemwege gelangen. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie viel Virus ausgeschieden wird und in welcher Konzentration es bis zu den Schleimhäuten einer anderen Person gelangt. Man setzt sich einer umso höheren Konzentration aus, je näher man der ausgeatmeten Luft einer anderen Person kommt und je länger sich Aerosol in der eingeatmeten Luft ansammeln konnte. Vor allem aber ist wichtig, ob dieser Übertragung eine Barriere im Weg steht, oder nicht.

Geht man davon aus, dass das neue Coronavirus eine Größe von etwa 100 nm hat, so kann eine FFP2 Maske es zu über 95% ausfiltern. Wie ist das aber bei einem einfachen OP-Mundschutz? Das Max-Planck-Institut hat unterschiedliche Materialien hinsichtlich ihrer Filterwirkung untersucht: Demnach gibt es sehr wohl auch OP-Masken, die hier eine gute Filterwirkung entfalten. Aber beim SARS-2 Virus muss ja gar nicht das Virus selbst gefiltert werden, sondern das Tröpfchen, auf dem es „reitet“. Nicht nur ist dieses Tröpfchen mindestens 50-mal größer, eine trockene Maske wirkt hier wie Löschpapier und saugt es samt Virus auf! Ohne dieses Feuchtigkeitsreservoir ist das Virus jedoch nicht überlebensfähig. 

Masken bieten daher sehr wohl Schutz, solange sie trocken sind und zum Gesicht abdichten, sodass Luft nicht an ihnen vorbei ungefiltert durch Spalten eingeatmet wird. Mehr zu Masken siehe weiter unten.

3. Alter und COVID-19 Sterblichkeit

Eine Metaanalyse von epidemiologischen Studien zeigte, dass es einen klaren Hauptrisikofaktor gibt: hohes Alter. Zwar ist die Infektionssterblichkeit an COVID-19 im jungen Alter vernachlässigbar, nimmt aber mit fortschreitendem Alter exponentiell zu, über 1,3% im Alter von 65 Jahren, 4.2% mit 75 und 14% mit 85 Jahren. Hier könnte sich das „immunologische Alter“ ungünstig auswirken. Je mehr Infektionen das Immunsystem kennengelernt hat, desto mehr Memory-Zellen des Immunsystems sind damit bereits geprägt. Jedoch neigen diese dann zur zerstreuten Überreaktion gegenüber dem SARS-2 Virus. Wenn man an COVID-19 stirbt, dann nicht am Virus, sondern an der Entzündung der Lunge, die durch eine überschießende Immunreaktion entsteht, weshalb sich in dieser Phase auch entzündungshemmende Präparate bewährt haben. Naive, noch ungeprägte T-Helferzellen benötigen zwar etwas Zeit, um sich auf das SARS-2 Virus „einzuschießen“, vermitteln dann aber eine gezieltere Immunreaktion, insofern sie in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. 

Die Epidemiologie

Somit drückt die Zahl der COVID-Toten in erster Linie aus, wie gut die alten Menschen vor einer Infektion geschützt werden, während die Zahl der Neuinfektionen die Vorsicht widerspiegelt, mit der sich Menschen im Mittel begegnen. Zu beachten ist dabei der Zeitversatz, mit dem die Zahlen erscheinen: Sie spiegeln die Neuinfektionen vor 7-10 Tagen wider und die Todesfälle durch Infektionen, die 6-8 Wochen vorher stattgefunden haben. 

Der Schweizer Rundfunk (srf.ch) stellt eine Vergleichsgrafik zur Verfügung, mit der sich die Lage gut einschätzen lässt (Stand 4.12.2020, bitte Bild anklicken für volle Größe):


In Europa haben die zum Teil drastischen Lockdowns inzwischen Wirkung gezeigt. Schweden hatte einen viel beachteten Sonderweg beschritten, bei dem man stark auf die Mitarbeit der Bürger vertraut hat. Mit Beginn der kalten Jahreszeit und der Verlagerung des Lebens auf Innenräume hat diese Strategie jedoch versagt, sodass man sich gezwungen sah, umzuschwenken und nun doch staatlicher Maßnahmen einzuleiten. Auch in der Schweiz hat man lange auf die Eigenverantwortung der Bürger gesetzt, und die Schutzwirkung von Masken bis in den Spätsommer hinein in Frage gestellt, sah sich dann im Herbst mit einem derart starken Ausbruch konfrontiert, dass man schließlich die Reservierung gegenüber Masken aufgeben und einschneidende Maßnahmen verhängen musste. In Frankreich hat der harte Lockdown Wirkung gezeigt und man beginnt mit Lockerungen – allerdings bei einem noch immer recht hohen Infektionsniveau von über 150 Neuinfektionen/Tag, gemittelt über 7 Tage.

Der Teil-Lockdown in Deutschland konnte den Zuwachs stoppen, führte aber nicht zur erhofften Rückkehr zu nachverfolgbaren Fallzahlen. Hier spricht man inzwischen von einer einigermaßen sinnlosen Alarmschwelle von 200/Tag. Ursprünglich war man übereingekommen, dass die Gesundheitsämter durch die Nachverfolgung von Einzelfällen das Geschehen bis zu einer Rate von 30/Tag unter Kontrolle halten können und hat diesen Wert aus politischen Gründen auf 50/Tag aufgerundet. Das bedeutet aber auch, dass das Geschehen bei 200/Tag ebenso außer Kontrolle ist, wie bei 100/Tag – dieser Wert wurde völlig arbiträr gesetzt, weil man sich nicht mehr in der Lage sah, 50/Tag einzuhalten. Wie zu erwarten war, ziehen die Sterbefälle verzögert nach und werden die Spitze der Neuinfektionen erst noch abbilden (Quelle Johns Hopkins COVID-19 Dashboard). Die Zahlen hier sind nicht geglättet, daher die tiefen Einschnitte und hohen Spitzen. Verbindet man jedoch die Spitzen mit einer gedachten Linie und ebenso die Täler, so lässt sich der Trend gut erkennen.


Wir haben unverändert Ausbrüche in Altersheimen, welche die Sterberate treiben und zeigen, dass unsere Alten noch immer nicht genügend geschützt sind. Die Sterberate spiegelt hauptsächlich alte Menschen wider, die sich schon vor etwa 8 Wochen mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. Allerdings weiß man heute mehr über die Therapie von COVID-19, lagert Patienten vermehrt auf dem Bauch, setzt bestimmte entzündungshemmende Präparate ein und muss so weniger oft beatmen. 

Die leidige Debatte um Masken

Vor einiger Zeit stieß ich auf ein Video eines Mediziners auf YouTube, das „Likes“ im 6-stelligen Bereich eingesammelt hatte. Der Kollege  präsentiert sich als einsamer Kämpfer für die Wahrheit, der trotz Bedrohung durch finstere Mächte an seinem medizinischen Eid festhält. Dabei stellt er sein Recht auf seinen christlichen Glauben auf eine Stufe mit seinem Recht, Masken nicht zu tragen, denn dafür gäbe es keine wissenschaftliche Evidenz. Sicherlich ohne es zu wollen, verdreht er dabei einiges.

Wie es der Begriff schon ausdrückt, ist ein religiöser Glaube eine Überzeugung, an der man gerade auch in Absenz von wissenschaftlicher Evidenz festhält. Gäbe es diese, so wäre Religion Teil der Geschichtsschreibung und es hätte angesichts harter Fakten nie zu Glaubenskriegen zu kommen brauchen. Eben diese Evidenz fordert er aber für Masken. Er führt aus, dass das Tragen von Masken die Überzeugung zum Ausdruck brächte, dass die Luft, die Gott uns zum Atmen schenkt, verseucht sei. 

Dem muss ich widersprechen: Ich trage seit über 35 Jahren eine Atemmaske, jeden Tag bei der Arbeit, und zwar sicher nicht deswegen, weil ich überzeugt davon wäre, dass jeder meiner Patienten meine Atemluft mit Erregern verseucht. Ich trage sie deswegen, weil ich nicht abstreiten kann, dass es kranke Menschen gibt, und mich für den Fall, dass ich zufällig einen von ihnen vor mir habe, schützen will. Mir ist dabei völlig bewusst, dass ich mich dabei 99,9% der Zeit unnötig schütze, will aber auch dieses Restrisiko vermeiden. Würde ich Patienten auch dann behandeln, wenn ich selbst krank bin, dann würde ich eine Maske  auch deswegen tragen, um sie vor mir zu schützen, ziehe es aber vor, in diesem Fall anderen Menschen erst gar nicht nahezukommen. Jedoch ist mir durchaus auch bewusst, dass ich das SARS-2 Virus weitergeben könnte, ohne zu wissen, dass ich es habe. Von mir angesteckt, könnte es diese Person dann weitergeben, bis ein Familienmitglied dann vielleicht die Großmutter beim Besuch im Altersheim ansteckt – und ich wäre dann womöglich indirekt für den Tod gleich mehrerer Menschen verantwortlich!

Im Grunde zielen diese Verschwörungstheorien also darauf ab, dass es irgendwie sicherer sei, keine Maske zu tragen, solange der letzte evidenzbasierte Beweis für deren Schutzwirkung angeblich nicht erbracht sei. Zum einen reden sie damit der Impfung als dem einzigem Hoffnungsträger das Wort, zum anderen liegen die geforderten Beweise inzwischen längst vor und die initialen, fehlerhaft durchgeführten Studien sind längst durch neue ersetzt, bei denen nicht nur auf die Mikrofilterung verschiedener Maskenstoffe geachtet wurde, sondern auch auf wesentliche Faktoren, wie der dichte Sitz und realistische Übertragungsszenarien. Diese Studien haben auch dazu geführt, dass selbst schwerfällige Organisationen, wie die WHO, das RKI und das CDC ihren Standpunkt inzwischen revidieren mussten.

Von vornherein vertraute ich hier lieber dem gesunden Menschenverstand: Man gehe einfach an einem kalten Morgen vor die Tür, wo man seinen Atem als Wolke sehen kann. Die besteht aus eben diesen kleinen Tröpfchen, um die es hier geht. Verschwindet diese Wolke durch das Tragen einer Maske, so werden diese Tröpfchen durch sie abgefangen. Und was beim Ausatmen mit den eigenen Tröpfchen passiert, wiederholt sich beim Einatmen mit den von Anderen.

Bereits im März erschien mir  Prof. Kim Joo-Wu diesbezüglich glaubhafter, ein führender Experte für Infektionskrankheiten, dem viele Südkoreaner den glimpflichen Verlauf der Pandemie in ihrem Land zuschreiben und der schon frühzeitig viel Erfahrung mit dem neuen Coronavirus hatte. Bereits in den ersten Tagen des Ausbruchs rief er dringend zum Tragen von Masken auf – in Asien ein deutlich weniger kontroverses Thema, da man es dort nicht mit der Beraubung persönlicher Freiheiten gleichsetzt.

Selbst Dr. Redfield, der von Trump als Leiter der Centers for Disease Control (CDC) eingesetzt wurde, als sein Vorgänger dem Präsidenten unbequem geworden war, gab vor dem US-Senat zu, dass er die Schutzwirkung von Masken gegenüber der von Impfungen als klar überlegen sieht. Neuere Studien bestätigen dies nicht nur, sondern kommen zu wesentlich weitreichenderen Schlussfolgerungen: Nicht nur, dass Masken den Träger effizient schützen, sie reduzieren auf jeden Fall die mögliche Infektionsdosis, das „Inokulum", mit dem SARS-2 Virus, sodass selbst in dem Fall, dass eine Infektion trotz Maske zustande kommt, mit einem glimpflichen Verlauf zu rechnen ist. Die Autoren der Studie sehen beim konsequenten Tragen von Masken überall da, wo das Risiko einer Infektion besteht sogar die Möglichkeit einer schleichenden Immunisierung, also, dass langfristig eine Herdenimmunität erreichbar wäre, ohne die Risiken einer schweren Lungenerkrankung durch COVID-19 in Kauf zu nehmen. 

Die richtige Maske für jeden Zweck

Stoffmasken filtern nur dann effizient, wenn sie aus saugfähigem Gewebe sind, möglichst mehrlagig. Das Problem ist, dass sie häufig nicht dicht am Gesicht abschließen und eher einen Spritzschutz darstellen. Sind sie doch dicht, weil sie aus elastischem Gewebe sind, ist der Atemwiderstand oft unangenehm hoch, weil sich der Stoff flächig auf das Gesicht legt und die gesamte Atemluft durch einen kleinen Bereich unter der Nase strömen muss. Deswegen ist ein OP-Mundschutz gefaltet und steht etwas ab, um mehr Filterfläche bereitzustellen. Jedoch muss hier der Nasenbügel sorgfältig angebogen werden: In der Mitte am besten über einen Finger rollen und unter dem Finger ein wenig zusammendrücken. Dann aufsetzen und den Bügel links und rechts neben der Nase ans Gesicht drücken und diese Biegung mit abgenommener Maske etwas verstärken, sodass ihn später der Gummizug gut am Gesicht anlegt. Aber auch an der Seite muss die Maske vor den Ohren zum Gesicht hin dicht anliegen! Beschlägt einem die Brille beim Ausatmen, so bläst man feuchte Atemluft durch eine Lücke und der Mundschutz dichtet nicht richtig ab! Eine gut sitzende Maske erkennt man daran, dass sich das Filtervlies beim Ein- und Ausatmen entsprechend dem Über- und Unterdruck der Maske bewegt.

FFP2-Masken sind aus mehrlagigem Vlies gefertigt und sollten so geformt sein, dass sie am Rand entlang komplett abdichten, der Rest jedoch mehr oder weniger weit absteht, sodass die Atemluft durch die gesamte Oberfläche gefiltert wird, was den Atemwiderstand auf einem erträglichen Niveau hält. Jedoch muss für einen dichten Sitz auch hier der Nasenbügel angebogen werden, wie oben beschrieben. Die meisten Masken werden in Asien gefertigt, wo man sich nicht immer an unsere Vorschriften hält. Jedoch kann auch ein Prüfzeichen, sei es FFP2 nach der deutschen Norm, oder KN95 nach  der sehr ähnlichen amerikanischen, nicht davor schützen, dass man eine Maske falsch aufsetzt. Selbst eine FFP3-Maske nützt nicht viel, wenn sie nicht dicht am Gesicht abschließt, sodass Luft ungefiltert eingeatmet wird, besonders, wenn man sich aerosolhaltiger Raumluft aussetzt. 

Wenn es darum geht, alte Menschen zu schützen, kann man ihnen auch eine Maske mit Ventil geben. Das erleichtert bei guter Filterleistung wenigstens das Ausatmen, hält dabei freilich aber kein Aerosol zurück. Jedoch ist hier das Anliegen, in erster Linie alte Menschen vor anderen zu schützen und nicht, andere vor den Alten.

Obwohl sie medizinische Einwegartikel sind, muss man Masken nicht nach einmaligem Tragen wegwerfen. Auf saugenden Untergründen hält sich das neue Coronavirus nicht lange und das Trocknen des Mundschutzes sollte ausreichen, um es zu zerstören – wenn man möchte, auch bei 70°C im Backofen.

COVID-19 Impfung

Wie auch immer man Impfungen gegenübersteht, es geht dabei auf jeden Fall um sehr viel Geld. Die Firma Pfizer wies eine Marktkapitalisierung von etwas über 170 Milliarden Euro auf und die Aktien gingen an der Frankfurter Börse am Freitagabend, dem 6. November, mit einem Kurs vom € 30,90 aus dem Handel. Am Montagmorgen wurde der Zwischenbericht bekannt, nachdem der neue Impfstoff des Partners BioNTech eine Wirksamkeit von 90% haben sollte, und innerhalb weniger Stunden schoss der Kurs um über 10% auf € 34,20 nach oben. In diesen Stunden stieg der Marktwert von Pfizer fast um den gesamten Wert des Mainzer Partners (etwa 20 Milliarden Euro). Eine Meldung führt zu einer Wertveränderung von fast 20 Milliarden bei einer Pharmafirma allein – wo es um derartige Summen geht, wäre es naiv zu glauben, dass der Wissenschaft das einzige Interesse gilt. Immerhin machte Pfizer-Chef Albert Bourla noch am selben Tag Kasse, indem er 132 000 Pfizer Aktien aus seinem Privatbesitz verkaufte. Man darf annehmen, dass er von der unmittelbar bevorstehenden Meldung des Konkurrenten Moderna wusste.

Immerhin geht es hier um einen genmanipulierten „RNA-Impfstoff“, mit dem es noch keine Langzeiterfahrung gibt, weil ein solcher Impfstoff zuvor noch nie zugelassen wurde. RNA ist sozusagen das Pauspapier für die Kopie genetischer Informationen und bei dieser neuen Technik erhalten körpereigene Zellen die RNA-Bauanleitung zur Herstellung körperfremde Proteine, gegen die später das Immunsystem reagieren soll.

Eine einzelne weltweite Impfung bietet bereits Aussichten auf sagenhafte Gewinne. Ganz andere Größenordnungen winken jedoch bei einer  Impfung, die jedes Jahr wiederholt werden muss, um wirksam zu bleiben, wie dies bei der Grippeimpfung der Fall ist. Es steht zu erwarten, dass dies auch bei der Impfung gegen COVID-19 gegeben ist, denn beide Male handelt es sich um mutationsfreudige RNA-Viren aus der Corona-Familie. Zwar wird darüber (noch) nicht gesprochen, aber es ist gut möglich, dass wir künftig zwei jährliche Impfungen haben werden!

Wir haben daher nun die Situation, dass diese Krankheiten in den meisten Fällen harmlos verläuft, besonders bei Kindern und Jugendlichen, bei Erwachsenen manchmal aber auch nicht, wenn die tiefen Bronchien befallen werden, und besonders bei den Alten eine Sterberate auftritt, die weit über der Grippe liegt. 

Stellt man sich nun auf den Standpunkt, dass eine Impfung dazu da ist, um das Risiko zu begrenzen, so müsste es eigentlich genügen, die Alten zu impfen, während sich die Jungen durch infizieren und eine Herdenimmunität aufbauen, wie dies früher bei jeder Kinderkrankheit Gang und Gäbe war. Ist man hingegen der Meinung, dass jedes Erkranken unabhängig vom damit verbundenen Risiko prinzipiell so weit als irgend möglich unterbunden werden muss, so wird man gegen alles impfen, wofür es Impfstoffe gibt, und dann wäre das Ziel bei der COVID-19 Impfung, die gesamte Bevölkerung durchzuimpfen, bis hin zu den Kindern, auch wenn diese oft so milde erkranken, dass sie es gar nicht bemerken und auch bei der Verbreitung offenbar keine große Rolle spielen.

Nun ist es kein Geheimnis, dass die Pharmaindustrie, wie andere Großindustrien auch,  eine einflussreiche Lobby beschäftigt, deren Auftrag es ist, Medien und Entscheidungsträgern zuzuflüstern. Man kann sich fragen, was genau da wohl geflüstert werden mag. Auf der anderen Seite haben Masken keine Lobby, denn bei diesen Cent-Artikeln gibt es nicht genug zu holen. Wenn wir daher beobachten, wie die Schutzwirkung von Masken heruntergespielt wurde – und teils noch immer wird –, wie dem anfänglich auch große Institutionen, wie die WHO, das amerikanische CDC und das deutsche RKI gefolgt sind, obwohl man hätte wissen können, dass die dabei zitierten Studien unzulänglich waren, so muss man sich ernsthaft fragen, ob dieses Einflüstern nicht doch Wirkung zeigt und ein Interesse daran besteht, den Impfstoff als alleinigen Hoffnungsträger darzustellen.

In diesem Zusammenhang mag auch die saisonale Grippe zum Nachdenken anregen: Warum informiert man uns erst jetzt über die außerordentliche Wirksamkeit von Masken gegen Coronaviren, also auch Grippeviren? Warum hat man in der Vergangenheit stattdessen ausschließlich die Grippeimpfung propagiert? Dem Epidemiologiebericht zur Influenza des Robert Koch Instituts (RKI) aus 2019 ist zu entnehmen, dass in der Grippesaison 2017/18 über 25 000 Menschen allein in Deutschland an der Grippe verstorben sind. Es fällt nicht leicht, das als „normal“ zu akzeptieren, auch wenn ein paar Lungenärzte dieser Meinung zu sein scheinen, wenn sie diese Totenzahlen mit denen von COVID-19 vergleichen. Was, wenn auch nur die Hälfte der Verstorbenen, also das Vierfache der Menschen, die beim Einsturz des World Trade Centers in New York ums Leben kamen, durch die einfache Empfehlung einer Maske heute noch am Leben wären? Jedoch stellt die Pressemitteilung des RKI diesbezüglich praktisch nur die Forderung nach noch mehr Grippeimpfungen. Händewaschen und Abstandhalten zu Erkrankten finden sich gerade einmal kurz in einem Nebensatz als Schutzmaßnahme gegen Grippe erwähnt – von Masken ist keine Rede!

Zu vermeidende Infektionsszenarien

Ein schlecht gelüfteter Raum, gefüllt mit Menschen, die sich dort über längere Zeit unterhalten, singen oder gar schreien. Wäre jeder Infizierte ein Kettenraucher, so würden wir eine derart verqualmte Bude gleich beim Eintreten erkennen, wie dies früher der Fall war, als in Bars und Wirtschaften noch geraucht wurde. Aber Aerosol kann man weder sehen noch riechen. Trotzdem steht es in der Luft und sammelt sich mit der Zeit immer weiter an. Ist unter den Anwesenden ein Superspreader, so enthält dieses Aerosol auch eine gehörige Portion an aktiven Viren. Hält man sich in einer solchen Aerosolwolke über längere Zeit auf, so schützt eine Maske nur dann, wenn sie wirklich lückenlos abdichtet und keine Luft ungefiltert durchlässt. Außerdem muss sie trocken sein, um die Tröpfchen wie Löschpapier aufzusaugen. Und in einem solchen aerosolgeschwängerten Raum schützt eine FFP2 Maske sicher besser als ein OP-Mundschutz. Nur, dass in einer Bar niemand einen Mundschutz aufhat! 

Solche Szenarien sollte man nicht nur in Bars möglichst komplett vermeiden und sich für den Fall, dass dies nicht möglich ist, ein paar FFP2 Masken besorgen. Wenn man welche zum Wechseln hat, muss man sich kaum Gedanken darum machen, dass sich SARS-2 Viren tagelang im trockenen Filtervlies halten, denn sie brauchen Feuchtigkeit und können sich nicht von alleine vermehren. Länger halten sie sich auf glatten, nicht saugenden Untergründen, besonders bei kalten Temperaturen, wo Feuchtigkeit kaum verdunstet. In der kalten Jahreszeit müssen wir daher erst recht darauf achten, dass wir uns nicht ins Gesicht fassen, solange wir uns die Hände nicht gewaschen haben!

Was wird aus dem Weihnachtsfest?

Weihnachten im Kreis der Familie: bei einer luftgetragenen Epidemie ist das riskant, ob man es nun wahrhaben will, oder nicht! Man sitzt über längere Zeit zusammen und trägt zuhause wohl kaum eine Maske. Wenn einer das Virus mit nachhause bringt, ist es kaum vermeidbar, dass sich andere Familienmitglieder anstecken – was soll man also tun?

Das Risiko einer Infektion speziell vor den Feiertagen vermeiden, und zwar noch akribischer, als bisher schon!

  1. In den letzten beiden Wochen vor Heilig Abend Menschenansammlungen und Infektionsszenarien jeder Art absolut vermeiden, im Zweifelsfall zur FFP 2 Maske greifen!
  2. Weihnachtseinkäufe heuer nicht mehr auf die letzten beiden Wochen schieben, sondern vorher erledigen.
  3. Bei allen Erkältungszeichen, auch leichten, der Weihnachtsfeiern fernbleiben!
  4. Großeltern soweit es möglich ist, etwas abseits setzen. Und vielleicht sollten sie dennoch wenigstens einen OP-Mundschutz tragen, soweit das möglich ist.
  5. Das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern vor dem Tannenbaum heuer lieber auslassen!
  6. Die Raumluft nie muffig werden lassen, regelmäßig stosslüften!


© Rainer Schöttl 2020           Impressum          Datenschutz