Der 2G/3G-Wahnsinn

Schon während der Planung einer Fachtagung in Erfurt im März 2020 wurde mir klar:

Die Pandemie selbst ist das eine Problem.
Das andere – womöglich größere – ist die Reaktion darauf!

Für die Zulassung des BioNtech Impfstoffes legte Pfizer der European Medicines Agency (EMA) den Zwischenbericht einer Studie vor, welcher die Wirksamkeit belegen sollte. Daten darüber, ob eine Impfung mit diesem Stoff auch die Weitergabe des Virus verhindert, waren gar nicht erfasst worden. Angesichts der Sterbefälle in dieser Pandemie bestand ein Notfall und die EMA erteilte eine temporäre Zulassung, obwohl die hierfür erforderlichen Daten nicht vorlagen. In ihrem Zulassungsbericht schrieb sie:

The impact of vaccination with Comirnaty on the spread of the SARS-CoV-2 virus in the community is not yet known. It is not yet known how much vaccinated people may still be able to carry and spread the virus.

Das Robert-Koch-Institut informierte unmittelbar darauf auf seiner Webseite jedoch gegenteilig, ohne dies auf irgendwelche  Daten zu stützen:

"Durch die Impfung erscheint das Risiko einer Virusübertragung in dem Maße reduziert, dass Geimpfte zur Weiterverbreitung des Virus nur noch wenig beitragen"

Eine Impfung oder Immunisierung wird normalerweise als ein Vorgang betrachtet, der verhindert, dass man sich mit einem Pathogen ansteckt und davon krank wird. Bei diesen neuen Impfstoffen ist das nun anders: Sie verhindern offenbar die Infektion mit dem Virus nicht und daher ebenso wenig seine Weitergabe, sondern reduzieren bestenfalls das Risiko, daran schwer zu erkranken oder zu sterben.

Impfungen haben gewöhnlich zwei Effekte:

1. Verhinderung der Infektion (epidemiologisch wichtig)
2. Verhinderung der Erkrankung (wichtig für den Geimpften)

Die erste Wirkung behindert die Ausbreitung des Pathogens und kann zur Herdenimmunität führen, während die zweite ausschließlich das persönliche Risiko des Geimpften selbst betrifft. Der erste Effekt war dieser Impfung jedoch einfach angedichtet worden – offenbar wusste man das jedoch nicht genau, wie so Vieles bei diesen neuen Impfstoffen, die uns schon jetzt eine Überraschung nach der anderen bereitet haben. Jedoch war diese Behauptung die Grundlage für die Strategie der Bundesregierung: Erreichen der Herdenimmunität durch eine hohe Impfquote, die durch eine Kombination aus Einschränkungen der Grundrechte von Ungeimpften und der Darstellung der Impfung als Akt der Solidarität und Bürgerpflicht nach dem Motto „sich und andere schützen“ herbeigeführt werden sollte.

2G/3G Regeln verbriefen Geimpften eine Immunität gegenüber Ansteckung und Weitergabe des Virus, die sie nicht haben. 

Obendrein befreite man diese Gruppe von der Testpflicht als Privileg, um Ungeimpfte zur Impfung zu bewegen, indem sie dadurch ihre Freiheiten wiedererlangten, wenn schon die Sorge um das leibliche Wohl nicht ausreichend motivierte (normalerweise ist das der einzige valide Grund für eine Impfung).

Zuerst sollte die Herdenimmunität bei einer Immunisierung von 66% der Bevölkerung durch natürliche Infektionen oder Impfung erreicht sein, jedoch fand man in der Folge immer neue Gründe, um den Prozentsatz für die angeblich erforderliche Impfquote höher und höher zu heben und egal, wie hoch diese Quote in verschiedenen Ländern auch ist, es gab immer wieder neue Ausbrüche und jedesmal war die Schlussfolgerung, sie sei eben doch noch nicht hoch genug gewesen. Im komplett geimpften Gibraltar stieß dieses Narrativ an seine Grenzen und in der nächsten Runde zählt jetzt nicht mehr die Quote der vollständig, also doppelten Impfung, sondern die der dreifachen „geboosterten“ und schon ist klar, dass es im nächsten Frühjahr die vierfach und im Herbst vermutlich die fünffach Geimpften sein werden. Und es ist eben nicht egal, denn Daten aus Großbritannien beginnen zu zeigen, dass bei mehrfach Geimpften die natürlichen Antikörper unterdrückt werden, sie also womöglich anfälliger gegenüber Infektionen mit neuen Varianten sind, als Ungeimpfte! Noch ist das nicht völlig klar, aber man sollte ein Auge in dieser Richtung offen halten.

In den USA gibt man die Herdenimmunität als Ziel bereits daher wieder auf, während wir noch immer über einen Impfzwang diskutieren, also darüber, Menschen sogar gegen ihren Willen zu impfen, um zu erreichen, was mit diesen Impfstoffen nicht erreichbar ist.

RNA-Viren mutieren ständig und man schätzt, dass inzwischen über 12.000 Mutationen des SARS-2 Virus existieren. Impft man eine Population mit einem Impfstoff, der Infektionen und Weitergabe des Virus nicht zuverlässig verhindert, so verbreiten sich selektiv die Varianten, die trotz Impfung am effizientesten übertragen werden. Niemand hat je behauptet, die Massenimpfung kreiere Mutationen, aber es ist unbestreitbar, dass sie eine Selektion derjenigen Mutationen bewirkt, die jeweils gegen den gegenwärtig vorherrschenden Impfstatus am besten gefeit sind. Dieses Jahr war es die Deltavariante, die im Vergleich zu früheren Varianten ein leichteres Spiel hatte, und nun kommt die Omikronvariante und danach die Rhovariante, bis das griechische Alphabet irgendwann einmal mit Omega sein Ende erreicht hat und man eine neue Benennung braucht, wenn man das Spiel fortsetzen will. Jedoch ist nicht erkennbar, wie es jemals enden soll, solange man alles auf die Impfung alleine setzt.

Seit das RKI Impfdurchbrüche in einem Prozentsatz der Fälle vermelden muss, der der Impfquote nahekommt, ist klar: Die gegenwärtigen Impfstoffe boten schon bei der Deltavariante keinen nennenswerten Schutz vor Infektion mehr und dürften mit der Omikronvariante bereits nach einem ¾ Jahr obsolet sein, wie man in Großbritannien gegenwärtig feststellen muss. Lediglich auf einen gewissen Schutz vor schweren Verläufen darf man vielleicht noch hoffen, aber nicht auf einen epidemiologisch relevanten Effekt. Zusätzlich muss man bedenken, dass als Impfdurchbruch nur gezählt wird, wer bestimmte Symptome zusammen mit einem positiven PCR-Test ärztlich dokumentiert bekommt und das RKI selbst daher eine Untererfassung bei Impfdurchbrüchen einräumt. Und es existiert tatsächlich sogar die Möglichkeit, dass sich Geimpfte wesentlich leichter infizieren als Ungeimpfte und vielleicht sogar schwerer erkranken, wenn durch die Impfung wirkungslöse Antikörper anstelle der natürlichen gebildet werden.

Am 2. November sah sich das RKI dann endlich dazu gezwungen diese irreführende Information aus ihrer Webseite wieder zu entfernen, was leider stillschweigend erfolgte, ohne diese wichtige Änderung der Öffentlichkeit zu kommunizieren. 

Gegenwärtig sehen wir den totalen Kollaps dieser COVID-Strategie und unsere Politiker brechen reihenweise Versprechen, die sie noch vor wenigen Monaten feierlich gegeben haben. Schuld daran sind jedoch angeblich nicht sie, oder die inzwischen offensichtliche Tatsache, dass diese Versprechen gegeben wurden, ohne zu wissen, was Sache ist, Schuld sind auch nicht die völlig unsinnigen 2G und 3G Regeln, die Geimpfte dazu ermutigt haben, zu Superspreadern zu werden (wenn auch unabsichtlich), nein, Schuld an allem sind angeblich die Ungeimpften. In öffentlich rechtlichen Medien müssen sie sich inzwischen gar als Killer beschimpfen lassen und dafür mit ihren zwanghaft auferlegten Rundfunkbeiträgen auch noch bezahlen (die ARD hat die Aufzeichnung inzwischen stillschweigend aus ihrer Mediathek entfernt, aber der Wortlaut wurde festgehalten). Geht es noch perfider?

Zurück bleibt eine zutiefst verunsicherte, zerrissene, frustrierte und angstgelähmte Bevölkerung, die das Risiko, das COVID für sie persönlich darstellt, massiv überschätzt, bei unter 40-Jährigen bis zum 40-Fachen! 

Man könnte diese Strategie daher auch so zusammenfassen:

2G: Geimpfte dürfen nur andere Geimpfte und Genesene anstecken
3G: Geimpfte dürfen zusätzlich auch Ungeimpfte anstecken
Wenn dann die Inzidenz steigt, sind Ungeimpfte schuld!

Während bei Ungeimpften eine Infektion mit COVID in etwa 20% der Fälle unbemerkt verläuft, wissen wir darüber bei Geimpften nichts, dürfen aber annehmen, dass dies bei ihnen deutlich häufiger der Fall ist. 


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