Schmerzen sind weg – wie geht es weiter?

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"Ich hab den FreeBite seit 2 Tagen. Immer wenn ich ihn trage sind meine Beschwerden (Kaumuskelschmerzen) wie weggeblasen. Wie soll ich jetzt weiter vorgehen?"

Natürlich freuen wir uns ungemein über solche E-Mails! Schließlich steckt eine Menge Entwicklungsarbeit im FreeBite-Projekt. Tatsächlich ist diese Frage aber auch berechtigt, denn das Problem bzw. seine Lösung endet nicht beim FreeBite. Hierfür ist es hilfreich, wenn man den Sinn des Ganzen im Blick behält.

Der FreeBite ist zum einen Teil einer Schmerztablette ähnlich: Sie mag wirken, löst aber das Problem, wegen dem die Schmerzen entstanden sind, nicht. Für viele ist diese Erfahrung schon toll, aber die Aufgabe, die für den FreeBite fast noch wichtiger ist, besteht darin, mit einfachen Mitteln herauszufinden, ob der Biss etwas mit chronischen Beschwerden zu tun hat. Gerade inmitten der Konfusion, welche die CMD (Cranio-Mandibuläre Dysfunktion) umgibt, ist eine gesicherte Diagnose besonders wichtig, denn Behandlungen beim Zahnarzt kosten schnell viel Geld und wenn man Pech hat, handelt man sich damit womöglich gar noch zusätzliche Probleme ein!

In der Regel tut man gut daran, seinem Zahnarzt einfach zu vertrauen. Er hat sein Fach studiert und, je nach Alter, auch entsprechend klinische Erfahrungen gesammelt. Jedoch ist das Vertrackte an der CMD, dass nicht einmal gesichert definiert ist, worum es sich dabei eigentlich handelt, geschweige denn, wie man sie „richtig“ behandelt. Wenn es um den eigenen Körper und die eigene Gesundheit geht, sollte man die Verantwortung dafür aber nicht komplett von sich weisen. Es hilft, wenigstens eine kleine Vorstellung davon zu haben, was das Problem ist, wenn man unter Symptomen leidet, die einfach nicht mehr weggehen wollen! Und hier kann der FreeBite eine wichtige Hilfestellung geben.

Hilft der FreeBite und Schmerzen oder andere Symptome verschwinden, wenn man ihn trägt, so ist die erste Antwort schon gefunden: Der Biss spielt zumindest eine Rolle. Der Kiefer nimmt deswegen eine Sonderstellung ein, weil seine Bewegung in einem steinharten Anschlag mündet, dem Biss. Jedoch bildet der Biss nicht irgendeinen Anschlag, sondern eine genau definierte Position, die der Unterkiefer beim Zubeißen erreichen muss, wenn wir im Biss und nicht nur auf vereinzelten Zahnkontakten landen wollen. Jedoch brauchen wir uns darum gar nicht zu kümmern, denn ein Netzwerk von Reflexen erledigt diese Aufgabe zuverlässig und automatisch. Allerdings kann diese Automatik ziemlich anstrengend werden, wenn die Zähne nur in einer Kieferstellung aufeinander passen, die für die Muskulatur schwierig zu erreichen ist. In der Kaumuskulatur gibt es so gut wie keinen Muskelkater, sodass wir Symptome und Schmerzen nicht so einfach zuordnen können, wie z. B. nach einem Besuch im Fitness-Studio. 

Während der FreeBite im Mund ist, braucht der Kiefer nirgendwohin gehalten zu werden, um den Biss zu treffen. Obendrein ist der FreeBite so konstruiert, dass er besonders das ausgleicht, was den meisten CMD-Patienten fehlt: eine ausreichende Abstützung im Biss auf den hinteren Zähnen, den großen Molaren. Nach einiger Eingewöhnung, für die wir besonders auch lockere Kaubewegungen empfehlen, lernt die Kaumuskulatur schnell, dieses Angebot zur Abstützung anzunehmen und zu entspannen. Beschwerden, die mit dem Biss in Zusammenhang stehen, verschwinden dann – nicht jedoch solche, deren Ursache anderswo liegt.

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Der neue FreeBite Day and Night

Hilft der FreeBite nicht, oder kaum, so kann sein, dass eine andere Höhe gebraucht wird, also z. B. statt einem FreeBite CMD ein CCD. Vielleicht wird auch eine festere Stütze benötigt, also ein FreeBite balance statt einem FreeBite air. Sind die Schmerzen jedoch schon mit einem FreeBite air verschwunden, so besteht keine „Verpflichtung", auf einen FreeBite balance zu wechseln, denn die gesuchte Antwort ist ja schon gefunden! 

Jedoch ist auch möglich, dass die Keilform des FreeBite CMD oder CCD einmal nicht hilfreich ist, z. B. wenn der Biss anterior offen ist und sowieso nur Kontakt zwischen den hinteren Zähnen besteht. Dafür wurde der FreeBite Day and Night (abgekürzt „DN“) entwickelt, der mit seinen flachen Bisskissen für hohen Tragekomfort ausgelegt ist. 

Hilft der FreeBite bei den Beschwerden, so ist der Biss also ein Faktor und die nächste Frage ist, welcher Aspekt am Biss stört? Auch diese Frage können wir leicht beantworten, indem wir die Änderungen beobachten, die sich beim Tragen des FreeBite ergeben. Diese schließen ein:

  • Zuordnung der dentalen Mittellinien (Ritzen zwischen den mittleren Schneidezähnen). Eine Veränderung bedeutet, dass der Unterkiefer im Biss wahscheinlich seitlich verschoben stehen muss, damit die Zähne aufeinander passen, die Muskulatur aber eine andere Stellung leichter erreichen kann.
  • Veränderung der sagittalen Stufe. Dies ist der Betrag, um den die oberen Schneidezähne die unteren nach anterior überlappen. Wie man das ganz einfach misst, entnimmt man dem Büchlein, das den FreeBites beiliegt.
  • Veränderung des ersten Kontaktes zwischen den Zähnen. Hierfür nimmt man eine aufrechte Körperhaltung ein, entfernt den FreeBite aus dem Mund und lässt diesen dann ganz locker zufallen, wobei man die Bewegung aber nirgendwo hinzielt und auf die erste leichte Berührung achtet, die zwischen den Zähnen eintritt. Man kann dies einige Male wiederholen, um zu sehen, wie konstant ein bestimmter Kontakt dabei getroffen wird und vergleicht diese Stelle mit der, die beim gleichen Versuch vor dem Tragen des FreeBites getroffen wurde.
    Ein Beispiel: Nehmen wir an, vor dem Tragen des FreeBite haben sich die Zähne bei aufrechter Haltung auf der linken Seite zuerst berührt. Nach dem Tragen des FreeBites kommen jedoch die Schneidezähne als erstes auf. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass die primäre Störung bei den Schneidezähnen liegt. Ziehen wir den Unterkiefer etwas zurück, um ihnen auszuweichen, so tritt als sekundäre Störung der Kontakt links auf. Also sollte das Augenmerk auf den Schneidezähnen liegen. Wird z. B. eine Schiene hergestellt, so sollten die Seitenzähne nicht erst nach einer Verschiebung des Unterkiefers darauf auftreffen.
  • Veränderung der Abstützung auf den Zähnen: Hierfür gleitet man am ersten Zahnkontakt in den Biss hinein, ohne dabei jedoch viel Druck auszuüben. Man achtet darauf, ob man nun zwischen den Seitenzähnen links und rechts eine feste Abstützung spürt, oder ob diese auf einer oder beiden Seiten fehlt. Manch einnem gelingt es vorübergehend nicht mehr, zwischen den hinteren Zähnen überhaupt Kontakt herzustellen, ein Zeichen für eine Kompression der Kiefergelenke aufgrund einer unzureichenden Abstützung im Biss auf den hinteren Zähnen. Schmerzen in den Kiefergelenken, Knacken, Reiben (Krepitus) oder degenerative Veränderungen (Arthrose) gehen damit einher, wenn solche Belastungen über viele Jahre Bestand haben.

Diese Informationen helfen bei der Weiterbehandlung. Sie helfen dem Zahnarzt dabei, jeweils individuell die wesentlichen Faktoren im Biss zu identifizieren. Sie helfen aber auch dem Patienten, die einzelnen Behandlungsschritte besser zu verstehen, statt sich auf irgendwelche Versprechen einlassen zu müssen, denn die zuvor festgestellten Probleme sollten bei der Behandlung auch tatsächlich adressiert werden. Ist dies nicht der Fall, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man der Symptome nicht Herr wird! 

Vielleicht besteht der nächste Schritt dann in einem FreeBite solid, um herauszufinden, ob sich ein exakter, harter Biss finden lässt, in dem der positive Einfluss auf die Symptome erhalten bleibt. Vielleicht gliedert der Zahnarzt auch eine Schiene ein, welche dann allerdings die Probleme im Biss auch tatsächlich ausgleichen sollte. Vielleicht muss die fehlende Abstützung auf einzelnen Zähnen auch durch Aufkleben von etwas Kunststoff wiederhergestellt, oder bestehender Zahnersatz entsprechend umgearbeitet werden. 

Bisskissen stellen daher keine Endlösung dar. Stimmt etwas mit dem Biss nicht und verursacht einem Probleme, so sollte man diese bei der Wurzel packen. Langfristiges Tragen von Bisskissen kann nämlich auch die Verschiebung von Zähnen verursachen, wodurch man im Lauf der Zeit einen Biss, der zuvor vielleicht wenigstens notdürftig gepasst hat, nun gänzlich verlieren kann. Besonders vorsichtig muss man dabei mit Bisskissen sein, bei denen die hinteren Zähne nicht  aufbeißen und mit der Zeit elongieren können.

mit-ohne Aqualizer


Diese Bilder wurden uns von einem CMD-Patienten zugeschickt, der gehofft hatte, sein Problem zu lösen, indem er einfach ständig einen Aqualizer Ultra medium trug, denn mit dem zwischen den Zähnen ging es ihm gut. Zumindest etwa 6 Monate lang, dann begann er, unter Nackenverspannungen zu leiden. Da er feststellte, dass inzwischen auch mit  Aqualizer Zahnkontakte zwischen den Zähnen dahinter auftraten, wechselte er zur Füllhöhe „high“, was im ersten Moment auch erneut Erleichterung brachte. Jedoch presst er nun mit den Zähnen darauf, weil der eigentlich zu hoch ist und hat dadurch Zahn- und Kieferschmerzen sowie Nackenverspannungen zusätzlich zu den alten Kopfschmerzen und obendrein passen die Zähne jetzt gar nicht mehr aufeinander.

Eine solche Entwicklung wäre mit dem FreeBite unwahrscheinlich, denn er ist nicht zwischen den Zähnen fixiert. Solange man mit allen Zähnen immer mal wieder aufbeißt, sollten sie kaum derartig elongieren können. Und dennoch empfehlen wir das keineswegs als Endlösung. Wenn man mit seinem Biss nicht gut genug leben kann, so dass mehr als gelegentliches Tragen eines FreeBites erforderlich ist, sollte man sich einen Zahnarzt suchen, am besten einen, der es versteht, die Erfahrungen, die man mit dem FreeBite gemacht hat, korrekt zu interpretieren und in eine sinnvolle Therapie umzusetzen. 

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