Flugreise: Computer lieber zuhause lassen?

Der Kryptologe Bruce Schneier war als Sicherheitsexperte international bekannt, in Fachkreisen  auch schon vor seinem Buch „Data und Goliath - die Schlacht um die Kontrolle unserer Welt“. In seinem Blog grübelt er nach, über den Sinn, Laptops auf bestimmten Flugstrecken nicht im Handgepäck zu gestatten. Was für einen Grund könnte es dafür geben?

Der offizielle, Sicherheit und Terrorismus, ergibt jedenfalls keinen Sinn, denn dann hätte man ein solches Verbot weltweit durchgesetzt. Aber hier liegt ein Alleingang der USA und Großbritanniens vor und es wäre ein Leichtes, seinen Flug einfach auf eine Strecke zu legen, für die dieses Verbot nicht gilt. Außerdem war laut Schneier die frühere Vorsichtsmaßnahme, Laptops kurz einschalten zu lassen, um zu sehen, dass im Gehäuse auch wirklich ein Computer sitzt, effektiv genug.

Man munkelt, es handle sich um eine Vergeltungsmaßnahme für staatliche Subventionen, welche den vom Verbot betroffenen Fluglinien einen unfairen Wettbewrbsvorteil verschafft haben, aber auch das kann es bei näherer Betrachtung wohl nicht sein. Was dann?

Schneier spricht auch von jüngsten Entüllungen über Spysoftware, die von amerikanischen Behörden gezielt für die als besonders sicher geltenden Apple Geräte entwickelt wurden. Diese ist auch durch ein Neuaufsetzen des OSX oder IOS Betriebssystems nicht löschbar, denn sie setzt sich in der Firmware fest, teils auch von Peripheriegeräten, wie dem Thunderbolt-Ethernet Adapter und hat dann von dortaus Zugriff auf Geräte und Netzwerk. Für andere Systeme gibt es Ähnliches wohl schon länger.

Flugreisende, die Ihre Koffer nach einem genauen System packen, dürften schon öfters erlebt haben, dass darin nach einem Flug etwas verändert war. Freilich, Fluggepäck wird heute nicht nur durchleuchtet, sondern gelegentlich auch geöffnet und durchsucht. Ob, wie und durch wen dies erfolgt, ist für Flugreisende nicht nachvollziehbar. Aber es ist schon eine Überlegung wert, wie klug es ist, seinen Laptop oder sein iPad über längere Zeit aus den Augen zu lassen, wenn man keine ungebetenen Geschenke darauf mit nachhause nehmen möchte!

Gerade die Einreise in die USA ist nicht ganz unproblematisch. Die Rechtslage beim Grenzübertritt ist schon für Einwohner der USA nicht völlig klar und für Nichtbürger reichlich nebulös. Im Endeffekt muss man tun, was der Beamte verlangt, ob der nun wirklich dazu berechtigt ist, oder nicht. Und so kann es durchaus sein, dass er fordert, dass man sein Handy entsperrt und den Inhalt durchsuchen lässt. Ja, man munkelt sogar, dass man seine Login-Daten für soziale Medien preisgeben soll! Ob das nun stimmt, oder nicht, die Electronic Frontier Foundation (EFF) jedenfalls berichtet, dass alleine im Februar bei der Einreise mehr Geräte durchsucht worden seien, als im gesamten Jahr zuvor! In ihrem Merkblatt zur digitalen Privatsphäre an der U.S. Grenze gibt die Organisation klare Ratschläge an Reisende:

  1. Keine unnötigen Geräte mitnehmen.
  2. Auf mitgenommenen Geräten nur die für die Reise benötigten Daten speichern.
  3. Datenverschlüsselung aktivieren und vor der Ankunft die Geräte komplett ausschalten, um High-Tech Angriffe gegen die Verschlüsselung zu unterbinden.
  4. Bilder aus Digitalkameras vor der Reise exportieren und löschen.
  5. Wenn der Beamte ein Handy oder eine Kamera durchsuchen möchte, erst einmal ruhig und respektvoll bleiben. Er kann zwar einem US-Bürger die Einreise nicht verwehren, wohl aber einem Ausländer.

Am besten ist also - wieder einmal - die Vorsorge. Besonders wer Einreisestempel von Ländern im Pass hat, die jüngst mit einem Einreisebann in die USA belegt werden sollten, muss darauf vorbereitet sein, bei der Einreise in die USA näher unter die Lupe genommen zu werden, als ihm lieb sein mag. Inwieweit sich jeder mit technischen Schutzmaßnahmen vertraut machen möchte, sei ihm selbst überlassen, aber auch hierfür bietet die EFF Hilfestellungen an.

Wir haben uns so daran gewöhnt, quasi unser ganzes Leben in unserem Handy zu speichern und ständig dabei zu haben. Das mag bequem sein, aber ist es auch klug?

Nachtrag vom 24.7.2018

Bei 1Password, dem vielleicht am weitesten verbreiteten Passwort-Manager, hat man jüngst einen „Travel Mode“ eingebaut. Dabei werden alle Passwörter im Safe gelöscht, sodass sie bei Grenzübertritten vom Grenzschutz nicht ausgelesen werden können. Offenbar wird besonders bei Einreisen in die USA und nach Großbritannien von Reisenden u. U. verlangt, dass Passwortmanager hierfür entsperrt werden. So unglaublich dies klingt, es scheint oft genug zu passieren, dass man bei Agile Bits nun extra diesen Reisemodus erfunden hat, so dass es keine Passwörter im Passwortsafe mehr gibt, die ausgelesen werden könnten. Mehr darüber im Blog von Bruce Schneier https://www.schneier.com/blog/archives/2018/07/1passwords_trav.html.


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