FreeBite oder doch Aqualizer?

Keine Frage, bei den Bisskissen für die CMD ist der Aqualizer der Platzhirsch. Doch was erwartet einen, wenn man stattdessen einmal einen FreeBite ausprobiert?

Die Antwort gleich vorneweg: 

Der FreeBite ist kein Aqualizer, sondern Teil eines 2-Phasen-Therapiekonzepts!

Der FreeBite spricht Kaumuskeln wesentlich intensiver und dient in der initialen Phase dem Training und der Regeneration der Kaumuskulatur. In dieser Phase werden müde und bewegungsfaul gewordene Muskeln reaktiviert, sodass man überrascht sein wird, wenn man sich nur nach seinem ersten Gefühl richtet, ohne das dahinter stehende Konzept zu kennen.

Zu beiden Bisskissen habe ich eine persönliche Beziehung: 

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Aqualizer „mini“ (oben) und „ultra“ (unten). Die Hülle besteht aus zwei miteinander verschweißten Folienhälften, der Knick an den Bisspolstern ist eingebogen und kann bei falscher Lagerung verloren gehen.

Den Aqualizer lernte ich Anfang der 90er Jahre auf einer Tagung in Seattle in den USA kennen. Er war von Prof. Lerman entwickelt worden, um die Zähne zunächst ausgleichend auseinander zu halten. Während Wasserdampf durch die Hülle entwich, wurde er im Lauf der folgenden Tage und Wochen langsam platt, sodass sich irgendwann die Zähne durch die Hülle hindurch kontaktierten. Auf diese Weise konnte man Erstkontakte auf ihnen oder Schienen identifizieren und Schritt für Schritt einschleifen. Eine wirklich innovatives Alternative zur Bisseinstellungen, bei denen Zahnärzte die Unterkiefer ihrer Patienten nach Gutdünken einfach mit der Hand verschoben, denn hier konnte sich die Kaumuskulatur des Patienten den Ort aussuchen, wo sie am besten funktionierte!

Damals benutzte ich jedoch bereits eine andere Technik, welche ebenfalls Abstand von manuellen Verschiebungen des Unterkiefers nahm, nämlich die Myozentrik, bei der Muskelverspannungen mit TENS gelöst wurden. Dennoch wurde mir bald klar, dass man mit einem solchen Ausgleichskissen zwischen den Zähnen Antworten auf breite Palette von Fragestellungen finden konnte, begonnen bei der Differenzierung zwischen auf- und absteigenden Problemketten in der Manualtherapie, bis hin zur Lösung der leidigen Debatten, wie der Unterkiefer im Biss einzustellen sei, besonders bei CMD-Patienten. Für solche Ausgleichskissen, wie ich dem Firmenleiter und Sohn des Erfinders schon bei unserer ersten Begegnung in Arizona erklärte, hatten auch nicht nur Zahnärzte bedarf, sondern ebenso Mediziner, Schmerztherapeuten, Orthopäden, Osteopathen, Physiotherapeuten und schließlich auch Patienten für sich selbst. Und so wurde damals ein eigener Import für MediPlus, die Firma meiner Frau, aufgebaut und ich entwickelte für sie den ersten Webshop weltweit, in dem jedermann zu jeder Tages- und Nachtzeit Aqualizer ohne Zwischenhändler direkt kaufen konnte. 

Man kann nicht erwarten, dass ein solches Kissen für jeden Zweck gleichermaßen optimal ist, gerade so, wie das auch bei Schuhen nicht möglich ist. Ist man passionierter Läufer und ist an bestimmte Laufschuhe einer Marke gewohnt, so kann man sich zwar überlegen, ob man stattdessen einmal mit einem Minimalschuh experimentiert, es wäre aber ein Fehler, dabei das gleiche Laufgefühl zu erwarten. Minimalschuhe sind für einen ganz anderen Laufstil konzipiert, bei dem man nicht auf einem weichen Fersenpolster landen kann, wie bei herkömmlichen Laufschuhen. Also muss man erst einmal lernen, ohne Fersenpolster zu laufen, und während dieser Zeit bekommt man vielleicht Muskelkater an Stellen, wo man gar nicht wusste, dass man Muskeln hat. Hat man jedoch das Ziel, seinen Fuß wieder zu kräftigen und aufzurichten, so wird man diesem gleichzeitig auch näher kommen, und beim FreeBite ist das ganz ähnlich. Würde man versuchen, mit dem Minimalschuh so zu laufen, wie mit einem gepolsterten Schuh, wird man dessen Vorzüge nie richtig kennenlernen!

Auch eine zweite Eigenschaft hat der Schuh- mit dem Bisskissenvergleich gemeinsam: Aqualizer kommen wie Laufschuhe in Massen zum Einsatz – und das nicht selten eher gedankenlos und undifferenziert. Wie ein Minimalschuh auch, erfordert jedoch der FreeBite einen etwas bedachteren Einsatz, um auszuschließen, dass es zu ungewollten Effekten kommt. Wir empfehlen daher, FreeBites erst einmal tagsüber, wenn man seine Reaktion darauf bewusst erlebt, einzutragen. Das bedeutet, dass man mit einer kurzen Tragezeit von 5-10 Minuten beginnt und dabei den Unterkiefer zunächst in Bewegung hält, wobei es unmöglich ist, mit den Zähnen statisch darauf zu pressen. Später dehnt man die Tragezeiten immer nur so weit aus, dass kein Bedürfnis zum Pressen aufkommt und versucht das Tragen während der Nachtruhe erst, wenn man den FreeBite tagsüber für mehrere Stunden problemlos tragen kann.

Jedoch kann man sich auch in dieser Anfangsphase bereits mit der Wirksamkeit von FreeBite Therapiekissen vertraut machen:

Hierfür setzt man sich auf einen Stuhl mit einer Rückenlehne, an die man die Schultern anlehnt. Nun dreht man den Kopf so weit nach links und nach rechts wie möglich und prüft, was man dabei auf beiden Seiten gerade noch hinter sich sehen kann, ohne dabei die Schultern oder den Stuhl zu verdrehen. Nun setzt man den FreeBite ein, kaut fünfmal leicht darauf, öffnet den Mund weit, schiebt den Unterkiefer nach vorn, kaut dort fünfmal, öffnet den Mund wieder weit, schiebt den Unterkiefer nach rechts, kaut dort fünfmal und wiederholt das Ganze auf der linken Seite und schließlich noch einmal in der Mitte. Selbst wenn man diesen Zyklus zwei- bis dreimal wiederholt, vergeht insgesamt dabei nur etwa eine Minute, und dennoch ist es gut möglich, dass man den Kopf schon jetzt erkennbar weiter drehen kann!

Diese und andere spezifische Anwendungen entspringen einer über 20-jährigen intensiven Arbeit mit Aqualizern in meiner CMD-Praxis. Im Lauf der Zeit sammelten sich eine Reihe von Änderungswünschen an, welche der Entwicklung von FreeBite Therapiekissen zugrunde lagen:

  • Sie dürfen nicht im Mund fixiert sein, damit sie vom Patienten jeweils so zurechtgeschoben werden können, dass sie darauf die bestmöglichen Abstützung mit ihren Zähnen finden, oft auch dann noch, wenn die Bezahnung nicht symmetrisch ist. 
  • Die Keilform im Verbund mit der asymmetrischen Ober- und Unterseite ermöglicht besonders viele Möglichkeiten für die Positionierung der Bisspolster auf den Zähnen.
  • Der erste Kontakt soll zwischen den posterioren Zähnen und dem Kissen entstehen, um Kompressionen der Kiefergelenke, die bei der CMD typisch sind, besonders schnell und effizient zu lösen. Auch hierfür müssen sie verschiebbar auf den unteren Zähnen liegen, denn Zahnbogenformen unterscheiden sich gar zu stark voneinander und eine oder zwei Größen bei verankerten Bisskissen reichen bei weitem nicht aus, um alle Möglichkeiten adäquat abzudecken.
  • Sie sollten haltbar und belastbar sein, sodass sie nicht ständig nachgekauft werden müssen.
  • Sie sollten glatt sein und keine scharfen Kanten aufweisen.
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Extrusionsformung ist eine Technik, welche die Ausformung von dreidimensionalen Hohlkörpern ohne umlaufende Schweißnaht ermöglicht. Damit ist es möglich, ein Bisskissen aus einem einzigen, verträglichen Material herzustellen, das seine elastischen Eigenschaften nicht aufgrund von Beimischungen von Chemikalien hat, sondern wie Kautschuk, aufgrund der Materialeigenschaften selbst. 

Die Hülle eines FreeBites fühlt sich vor allem am Anfang absichtlich etwas härter an, als die eines Aqualizers und kaut sich erst beim Eintragen mit der Zeit weicher ein.

Die Backenzähne sind nicht so feinfühlig wie die Frontzähne, sollen den Kontakt mit dem FreeBite aber dennoch spüren, und das wird initial durch die härtere Hülle erreicht, die sich aber in der ersten Therapiephase einkaut und weicher wird. Über die letzten Jahre hat sich die Keilform von FreeBite Therapiekissen ausgesprochen bewährt, sowohl bei ungezählten Patienten, wie auch bei Fortbildungskursen mit Kollegen. Die Lösung von Kiefergelekskompressionen funktioniert tatsächlich und man merkt das an der verbesserten Beweglichkeit des Unterkiefers und an veränderten Zahnkontakten, wenn man den FreeBite aus dem Mund nimmt. 

Belastet der Biss die Haltungskette, so liegt eine absteigende Wirkung vor und man merkt das an einer Verbesserung der Kopfbeweglichkeit und vielleicht auch der Beweglichkeit der Hüftgelenke, und längerfristig an einer Abnahme der Symptome in HWS, BWS und LWS, wie auch an einer verbesserten Stabilität mit weniger Neigung zu Blockaden. Detaillierte Anleitungen hierzu finden Sie in meinem Buch „ERSTE HILFE bei CMD“.


Kompression der Kiefergelenke kommen bei der CMD recht häufig vor, sind aber nicht bei jedem einzelnen Fall ein Problem, und dann kann die Keilform der FreeBite Therapiekissen manchmal auch stören. Daher gesellte sich jüngst eine neue Form zu den FreeBites, die wir als „Ruhekissen“ bezeichnen, der FreeBite comfort. Er hat plane Bisspolster, ist anders geformt und in ähnlicher Weise auf den Zähnen verankert, wie dies beim Aqualizer der Fall ist. Dennoch hat er wie FreeBite Therapiekissen eine solidere, dreidimensional ausgeformte Hülle.


Wenn Sie das Tragegefühl des Aqualizer suchen und mit seinen Einschränkungen gut leben können, bleiben Sie dabei! 

Wenn Sie hingegen einmal mit einem FreeBite experimentieren wollen, stellen Sie sich darauf ein, dass dieser sich anders anfühlt, als ein Aqualizer, vor allem zu Beginn, und beachten Sie die Empfehlungen zum Eintragen!


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