Artikulator-Blog

Es gab einmal eine Zeit, da war der Unterschied, ob ein Artikulator nach dem ARCON-Prinzip aufgebaut ist (Gelenkkondylen am Unterteil) oder als NON-Arcon Gerät (Kondylkugeln verschiebbar am Oberteil und dafür den Kondylbahnführungen am Unterteil) neben grundlegenden Unterscheidungsmerkmalen eher unwesentlich. Im frühen 20. Jahrhundert gab es fundamental unterschiedliche Ideen dazu, wie man menschliche Kieferstellungen in einem mechanischen Gerät am besten nachvollziehen kann, vom Snow-Artikulator über den „Alligator“ des Rupert Hall bis zu Gysi’s Simplex.

Heute weiß man davon fast nichts mehr, denn all diese Variationen sind verschwunden und am Markt befinden sich praktisch nur noch Geräte, die weitgehend baugleich miteinander sind. Entscheidend ist heute vielleicht, wie ein Zentrikschloss ausgeführt ist, oder ob und wie man eine Retrusion oder Immediate Sideshift ausführen kann. Alle Geräte haben aber gemein, dass sie auf der Vorstellung der terminalen Scharnierachse beruhen, ein Konzept, das in den 1950ern von McCollum und Stuart ins Leben gerufen und in den Dekaden danach außerordentlich erfolgreich vermarktet wurde.

Angeblich bewegt der Mensch also beim Öffnen und Schließen seines Mundes den Unterkiefer rotierend um eine Achse, die durch beide Gelenkkondylen läuft. Über die Kleinigkeit, dass man eine solche Bewegung ungeführt und bei aufrechter Körperhaltung beim Gesunden nie antrifft, sieht man hinweg und ebenso darüber, dass man somit praktisch bei jedem Menschen den Unterkiefer aus seiner gewachsenen Lage herausschieben muss, um eine solche Achse überhaupt manipulieren bzw. auffinden zu können. Und so macht man in der modernen Artikulatortechnik diese Achse, ein Kunstprodukt der Manipulation am Patienten, zur Referenz und nimmt alle Fehler, die daraus entstehen, einfach hin! 

In jüngster Zeit ist der virtuelle Artikulator das Thema, bei dem man diese Fehler nicht mehr in einem Gerät aus Metall und Plastik vollzieht, sondern mit einem virtuellen Abbild davon am Bildschirm. Ein Umdenken muss und wird sicherlich auch irgendwann kommen! Hier sollen inzwischen vergessene Hintergründe wieder aufbereitet und kommentiert werden:

HIP-Mount – mit welchem Artikulator?

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Was die Modellübertragung mit dem HIP-Mount anbelangt, so muss man zwei Anliegen auseinander halten:

  1. Die korrekte Übertragung um die Hoch-, Längs- und Querachse: Im Prinzip ist das mit jedem Artikulator möglich, zu dem eine Grundplatte für den HIP-Mount existiert. Leider ist dies z. B. für den Axio-Split nicht der Fall, weil dieses Profil extrem schwer passgenau zu fräsen ist. Für die SAM-Schraubaufnahme gibt es hingegen eine Grundplatte, die gleich auch noch für Schraubaufnahmen zum Artex, Whip-Mix und Panadent geeignet ist. …

Die Referenzebene

Bei jeder Modellmontage wird sie eingesetzt und doch wird sie kaum verstanden: die Referenzebene. Oft fallen Entscheidungen zur Referenzebene unbewusst, wenn man z. B. einen Gesichtsbogen anlegt, oder ein System verwendet, dessen Bezugsebene man nicht kennt. Oder sie bleibt dem Zufall überlassen, wenn sich Fehler einschleichen und die Modellübertragung nicht kontrolliert wird.

Die Entscheidung bezüglich der Referenzebene fällt mit der Montage des ersten Modells.

Stellen wir uns den Artikulator als dreidimensionales Koordinatensystem vor, mit einer x-, y- und einer z-Achse. …

Der Pitch-Corrector im PLA

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Der Pitch-Corrector ist ein zusätzliches Gelenk, das zwischen dem Tisch des HIP-Mounts und seiner Mittelsäule eingebaut wird, welches die Korrektur der Modellneigung um die Querachse bei der Montage ermöglicht. Der Pitch-Corrector braucht etwas zusätzliche Höhe, was in den gängigen Artikulatoren kein Problem ist. Im neuen Physio-Logic Artikulator (PLA) wird es hingegen knapp, so dass man u. U. das Modell bei der Montage nicht tief genug anordnen kann.

Immediate Sideshift

PLA Sideshift

Eigentlich schien sie beim neuen Physio-Logic Artikulator (PLA) gar nicht notwendig. Dadurch, dass bei einer Seitbewegung die Arbeitskondyle zurück laufen kann, während gleichzeitig die Balancekondyle protrudiert, entsteht eine ganz neue Steuerung, ganz ähnlich den Kiefergelenken beim Menschen, bei der im Arikulator ein beliebig breiter okklusaler Kompass abgetastet werden kann. Auf die Zähne bezogen können im PLA daher sowieso alle Formen der Sideshift wiedergegeben werden, ob „progressive", „intermediate", oder „immediate". …

Das Ziel ist nicht die Parafunktion!

Herr M. sitzt vor seinem neuen Physiologic Artikulator: Keine Bennett-Einstellung, die Kondylbahnneigung fix und so flach, dass einem schwindelig wird. Die Artikulatorachse ungewohnt tief, das Oberteil verrückt hoch.

Na gut, probieren geht über studieren! Er hat seine eigenen Modelle eingegipst, also will er nun einmal diese allseitige Exzentrik ausprobieren. Aber was ist das? Bei der Protrusion im Artikulator bleibt er links am 8-er hängen, der nach mesial in die 7-er Lücke eingekippt ist! …

Neu: Vector-Analyzer II

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Der Vector-Analyzer ist eine wichtige Komponente bei der vektorbezogenen Modelleinstellung. Mit ihm werden die Modelle so angeordnet, dass ein vorhersehbarer Schließwinkel im Artikulator entsteht. Der ursprüngliche Vektor-Analyzer bestand einfach aus einer Folie, deren Unterkante man so kürzte, dass der eingezeichnete Achsenpunkt mit der Artikulatorachse fluchtete, wenn man sie vor dem Artikulator auf der Arbeitsplatte auflegte. …

Wirklich besser als das HeadLines?

HLsilikon

„Die haben gesagt, mit dem XXX-System passen die Bisse besser, als mit dem HeadLines. Also habe ich mein Geld dafür ausgegeben, obwohl es wirklich sauteuer war!“

Ich bin am Telefon mit einem Kollegen und muss schmunzeln. Einerseits fürchtet man den Ruin wegen einer Nachkommastelle beim Punktwert, andererseits lässt man sich derart das Geld aus der Tasche ziehen! …

HeadLines & HIP-Mount

Endlich ein wirklich neues Konzept in der Artikulatortechnik! Unabhängig von Scharnierachsen, die ohne Manipulation am Patienten sowieso nicht existieren, geht es hierbei um folgendes:

  • Einstellung der Modelle mit tatsächlichem Bezug zu ästhetischen und funktionellen  Schädelebenen

Was ist die HIP-Ebene?

Cooperman, dem wir die HIP-Ebene verdanken, fand sie nicht an Lebenden, sondern an Knochenschädeln. Hierfür untersuchte er speziell solche mit Abrasionsgebissen, bei denen Höcker und Fossae weitgehend eingeebnet waren. Dies muss man wissen, wenn man die im Video zitierte Studien verstehen möchte, denn alles hängt davon ab, wie man die HIP-Ebene am Lebenden ermittelt und womit man sie vergleicht.

Arbiträre Gesichtsbögen - ein uraltes Konzept!

War der Quick Mount von Whip Mix der erste mittelwertige Gesichtsbogen? Keineswegs!

Die Idee, die Referenz für die Modellorientierung an den Ohren abzugreifen, kam schon vor sehr langer Zeit auf. Und damals war man sich der Limitationen dieser Vorgehensweise sehr wohl bewusst…

Perlen unter alten Artikulatoren

Über Artikulatoren haben sich schon Viele die Köpfe zerbrochen. Manche Ideen fanden keine adäquate Vermarktung und sind wieder in Vergessenheit geraten. Lars Amann ließ sie bei einem von Baumann Dental gesponsorten Workshop anlässlich der ICCMO Wintertagung 2015 in Nürnberg wieder aufleben.

Der lange Weg zum HIP-Mount 8

Wie kam es eigentlich zur Modelleinstellung mit dem HIP-Mount? Gerade in einer Zeit, in der manch einer seine Quellen geschickt verschleiert, möchte ich die meinen gerne würdigen.

Eigentlich begann es in meiner frühen Jugend, als sich die Frankonia Dental GmbH meines Vaters dem Vertrieb von Whip Mix Produkten verschrieb und erstmals vakuumgerührte Gipse und Einbettmassen in Deutschland einführte, ebenso, wie die Geräte dazu, den Tri-Caster, den Power Mixer, usw. …

Die Komponenten des HIP-Set

Wenn die Einzelteile im HIP-Set verwirrend scheinen, sollte dieses Video helfen, bei dem Lars Amann diese in einem von Baumann Dental gesponsorten Workshop anlässlich der ICCMO Wintertagung 2015 in Nürnberg erklärt.


Den okklusalen Auftreffwinkel verstehen

Was will man mit dem okklusalen Auftreffwinkel?

Er ist das Geheimnis der vertikalen Programmierung von Bewegungen im Artikulator. Meist widmet man dem nicht einen Gedanken, denn vertikale Bewegungen ergeben sich von alleine und stimmen hoffentlich. …


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