Der Weg zum besten Bisskissen

Der Aqualizer ist das klassische Wasserkissen und seit Dekaden bewährt. Wie jedoch ein Schuh nicht auf jeden Fuß passt und im Übrigen auch nicht für jeden Zweck gleichermaßen geeignet ist, so gibt es auch nicht das EINE Bisskissen, das in jedem Fall das richtige ist, auch wenn uns dies in der Werbung der verschiedenen Hersteller natürlich gerne so dargestellt wird. Aqualizer gibt es in drei verschiedenen Formen à 3 Höhen, dann der AquaSplint mini, sowie FreeBite Therapiekissen in 4 Höhen und neuerdings der FreeBite comfort mit einer ganz neuen Form als Ruhekissen, alles mit 2 verschiednen Füllungen – wie soll man sich da nur entscheiden?

Wie beim Schuhkauf ist es zweckmäßig, Prioritäten zu setzen bzw. nach dem K.o.-System der Reihe nach das auszuschließen, was nicht in Frage kommt, bis man zur richtigen Produktfamilie findet. Jede dieser Familien weist nämlich bestimmte einzigartige Eigenschaften auf, sodass andere nicht mehr in Frage kommen, wenn man diese unbedingt haben muss. Und vielleicht sollte man sich auch mit dem Gedanken anfreunden, dass man so, wie man in der Regel auch mehr als ein Paar Schuhe besitzt, sich vielleicht auch mit einer Kombination von verschiedenen Bisskissen, mit denen man unterschiedliche Einsatzzwecke oder Tragezeiten abdeckt, am besten helfen kann.

1. Hülle

Das Material, aus dem die Hülle eines Bisskissens gefertigt ist, hat wesentlichen Einfluss darauf, wie sie bei der Herstellung ausgeformt werden kann, wie weich oder fest das Bissgefühl darauf ist und welche Haltbarkeit man erwarten darf.

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Der Knick an den Bisspolstern ist beim Aqualizer nur eingebogen.

Der Aqualizer wird aus zwei ausgestanzten Folienhälften hergestellt, die miteinander verschweißt und mit Wasser befüllt werden. Eine dünne Folie als Hülle hat Vorteile, aber auch nachteile: Zum einen ist sie besonders flexibel und erzeugt so ein sehr weiches Bissgefühl, zum anderen sind aber die Stanzkanten scharf. Daher müssen sie in den Bereichen, in denen Schleimhautkontakt stattfindet, mit einem dünnen Schaumstoff ummantelt werden. 

Auch bedeutet das Versagen der Schweißnaht an irgendeiner noch so kleinen Stelle den kompletten Verlust der Füllung und somit das Ende des Aqualizers, denn die schlaffe Hülle ohne Füllung ist nicht mehr zu gebrauchen. Die besonders flexible Hülle des Aqualizers bewirkt auch, dass man damit bestenfalls kleine Lücken im Zahnbogen überbrücken kann. Da die Folie Wasserdampf durchlässt, verringert sich die Füllung im Aqualizerim Lauf der Zeit von alleine, selbst wenn die Schweißnaht dicht bleibt. 

Die Herstellungsform des Aqualizers ist flach, wodurch die Abwinkelung seiner Bisspolster, die nötig ist, damit diese zwischen den Zähnen liegen bleiben, nur dann zuverlässig erhalten bleibt, wenn man ihn bei Nichtgebrauch zurück in die Halterung des Kartonträgers steckt, die diesen Knick wieder auffrischt. Der Aqualizer ist in drei Formen und zwei Größen in jeweils drei Höhen erhältlich. Geht es ohne sein anschmiegsames Bissgefühl nicht, so kommt man am Aqualizer kaum vorbei. Weitere Informationen zur Auswahl des richtigen Aqualizers finden Sie hier.

Dieser Folienschweißtechnik gegenüber steht die beim AquaSplint mini und FreeBite eingesetzte Extrusionsformung. Hierfür wird thermoplastischer Kunststoff durch Erhitzen verflüssigt und in eine teilbare Hohlform extrudiert. Dies macht stärkere Schichtdicken in der Hülle nötig, wodurch diese Bisskissen ein festeres Bissgefühl erzeugen. Diese Hüllen weisen auch eine gewisse Eigenelastizität aus, sodass sie Lücken im Gebiss besser überbrücken können und ihre Form auch dann noch behalten, wenn sie die Füllung verloren haben.

Im Lauf der Zeit formen sich die Zähne etwas in die Hülle ein und  das Bissgefühl wird weicher.

2. Verankerung auf den Zähnen

Der AquaSplint mini wird zur besseren Verankerung auf den Zähnen mithilfe eines eingelegten Drahtes an den Zahnbogen angeformt, sodass er passiv zwischen den Zahnreihen liegen bleibt, auch wenn ihn die Wangen dort nicht halten. Seine Größe entspricht in etwa dem Aqualizer mini, reicht also in der Regel nicht bis zu den hinteren Backenzähnen zurück. 

Will man das Bisskissen an seinen Zahnbogen anbiegen können, so liegt man hier richtig!

3. Therapeutischer Effekt

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Viele, wenn nicht die allermeisten CMD-Patienten leiden unter chronischen Kompressionen der Kiefergelenke und Verspannungen der Kaumuskulatur. Spezifisch hierfür wurden FreeBite Therapiekissen entwickelt. Zur Entlastung der Kiefergelenke reichen die Bisskissen hier weiter zurück als bei den anderen Produktfamilien und unterstützsen so die Kiefergelenke besonders gut. Da das Therapiekissen verschiebbar auf der unteren Zahnreihe aufliegt, kann es vom Patienten mit der Zunge jeweils so zurechtgeschoben werden, dass die bestmögliche Entlastung erfolgt. FreeBite Therapiekissen sollen zumindest am Anfang der CMD-Therapie Entlastung durch die spielerisch-lockere Bewegung schaffen und eignen sich auch in besonderer Weise zur Durchführung von CMD-Übungen.

Eine weitere Besonderheit bei der FreeBite Produktfamilie ist die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Füllungen, Luft im FreeBite air und Flüssigkeit im FreeBite gel, wobei die Luftfüllung einen größeren Federweg ermöglicht. FreeBite Therapiekissen gibt es in vier verschiedenen Höhen.

Komplettiert wird die FreeBite-Familie durch Ruhekissen mit dem Beinamen „comfort“. Hier sind die Bisspolster flach gehalten und das Bisskissen ist dreidimensional für längere, möglichst bequeme Tragezeiten ausgeformt. Diese neue Form ermöglicht wahlweise das Tragen im Ober- oder Unterkiefer und fixiert dabei die Bisspolster auf den Backenzähnen. Der FreeBite comfort ist ebenfalls mit zwei Füllungen (air oder gel) erhältlich. Mehr zur Wahl des richtigen FreeBites finden Sie hier.

Über vier Fragen im Diagramm unten gelangt man somit schnell zur richtigen Produktfamilie. Den AquaSplint mini gibt es sowieso nur in einer Ausführung und Hilfe zur Auswahl des richtigen Aqualizers findet man unter www.aqualizer-shop.de bzw. zum FreeBite hier im Blog.

Am Ende kommt man um einen direkten Vergleich möglicherweise nicht herum. Solch ein Bisskissen ist in der Regel keine einmalige Investition, auch wenn sich die Haltbarkeit stark unterscheiden kann – aber irgendwann ist es verbraucht und muss nachgekauft werden. Und da ist es vielleicht keine schlechte Idee, am Anfang eines der von MediPlus angebotenen Vergleichssets zu wählen, das es einem ein für allemal erlaubt, das beste Bisskissen für sich zu identifizieren!

Im Ratgeber „ERSTE HILFE bei CMD“ finden Sie viele unkonventionelle aber wirksame Anwendungsmöglichkeiten für Bisskissen zusammen mit einer Fülle von Tipps, wie man als Betroffener seine CMD-Symptome lindern kann.

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