Windstärke

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Bei Gesprächen rund um das Segeln spielt der Wind natürlich immer eine dominante Rolle, heute nicht anders als vor Hunderten von Jahren. Jedoch existieren heute ganz unterschiedliche Maße für die Windstärke und die Frage ist, wie man diese unterschiedlichen Skalen miteinander vergleichen soll!

1. Windstärke nach der Beaufort Skala

Francis Beaufort adoptierte um 1830 eine Skala, die man für den Betrieb von Windmühlen entwickelt hatte, für das Segeln auf Fregatten. Die Beaufort Skala orientiert sich dabei weniger an Messwerten, als an Beobachtungen, die man ohne jedes Messgerät machen kann, zunächst an den Segeln einer Fregatte, später, als Dampfschiffe die Oberhand gewannen, am Wasser, und noch später, als die Beaufort Skala auch an Land Verwendung fand, auch an der Beobachtung der Bewegung von Blättern, auswehenden Fahnen und aufsteigendem Rauch.

  • Windstärke 0: Flaute. Spiegelglattes Wasser, Rauch steigt senkrecht auf, Fahnen hängen schlaff, Blätter bewegen sich nicht, man spürt keinen Wind im Gesicht, Segelboote treiben umher.
  • Windstärke 1: "Mildes Lüftchen". Glattes Wasser mit ersten Kräuseln, Rauch treibt ab, Fahnen hängen schlaff, Blätter bewegen sich nicht, man spürt praktisch keinen Wind im Gesicht, Segelboote beginnen, auf das Ruder zu gehorchen.
  • Windstärke 2: Leichte Brise. Gekräuseltes Wasser, aber noch glasige Oberfläche, Rauch verweht, Fahnen beginnen sich zu bewegen, Blätter rascheln leise im Wind, Wind im Gesicht spürbar, Segelboote bewegen sich erkennbar.
  • Windstärke 3: Schwache Brise. Beginnende Wellenbildung, leichte Fahnen wehen aus. Blätter und auch dünne Zweige bewegen sich im Wind, Segelboote machen Fahrt.
  • Windstärke 4: Mäßige Brise. Wellen mit Schaumköpfen formen sich, Fahnen wehen gestreckt aus, man beginnt, den Wind in der Takelage zu hören, loses Papier und Laub wird am Boden bewegt, Segelboote haben deutliche Schräglage, vorsichtige Segler denken über das Reffen nach, während Kitesurfer ihren Spaß haben.
  • Windstärke 5: Frische Brise. Ein Laie würde das  wohl bereits als Sturm bewerten. Längere Wellen, überall Schaumköpfe, Fahnen knattern im Wind, der Wind beginnt in der Takelage zu pfeifen, größere Zweige, kleinere Äste und dünne Bäume bewegen sich, übertakelte Segelboote und Katamarane müssen die Segelfläche reduzieren, weniger stark besegelte Boote erreichen ihre besten Geschwindigkeiten.
  • Windstärke 6: Starker Wind. Grobe See, Schaumköpfe von Wellen beginnen zu Schaumflecken zu verschmelzen, auch an Land pfeift es an Oberleitungen. Dickere Äste an Bäumen bewegen sich, Segeln und Windsurfen nur noch gerefft bzw. mit Sturmsegeln.
  • Windstärke 7: Steifer Wind. Sehr grobe See, Bäume schwanken, das Gehen gegen den Wind wird beschwerlich, durchgehende Schaumstreifen legen sich aufs Wasser.
  • Windstärke 8: Stürmischer Wind. Beginnende hohe See, Zweige und Äste brechen von Bäumen, erhebliche Behinderung beim Gehen.
  • Windstärke 9: Sturm. Hohe See, Ziegel werden von Dächern geblasen, Gartenmöbel umgeworfen, Gebäudeschäden können entstehen, hohe Wellen mit gischtenden Brechern. Gehen wird schwierig!
  • Windstärke 10: Schwerer Sturm. Bäume werden entwurzelt, Gartenmöbel ganz weggeblasen, Gebäudeschäden entstehen. Gehen ist kaum noch möglich, ohne sich an etwas festzuhalten.
  • Windstärke 11: Orkanartiger Sturm. Schwere Sturmschäden an Gebäuden und in Wäldern, das Wasser wird waagerecht verweht, Sichtbehinderung.
  • Windstärke 12: Orkan. Schwere Verwüstungen.

Elektronische Geräte können derartige Beobachtungen natürlich nicht anstellen, sodass die Windstärke heute häufiger in Messwerten ausgedrückt wird, sei es km/h, m/s oder kn. Letzteres steht für „Knoten“, doch was soll das?

2. Windstärke in Knoten

Früher verwendete man ein Logscheit, ein Hölzchen von bestimmter Größe, das so an der Logleine befestigt wurde, dass es im Wasser einen definierten Widerstand hatte. In die Logleine waren in gleichmäßigen Abständen Knoten eingebunden, die der Seemann spüren und zählen konnte, während ihm die Logleine durch die Finger glitt. Je mehr Knoten das in einer bestimmten Zeiteinheit waren, desto mehr Fahrt machte das Schiff! 

Ein Schiff, das mit einer Geschwindigkeit von 20 Knoten auf einem Nord- oder Südkurs fährt, legt in drei Stunden einen Breitengrad zurück. Da eine Seemeile oder Nautische Meile der geografischen Breite von einer Winkelminute entspricht, also 60 Seemeilen in drei Stunden oder 20 Seemeilen/Stunde. Man sagt, das Schiff fährt mit 20 Knoten. Nachdem es sich hier um einen tatsächlichen Messwert handelt, sind Knoten ein in der Seefahrt gebräuchliches Maß für Geschwindigkeit, auch für die des Windes.

Knoten kann man mit einer einfachen Formel überschlägig im Beaufort (bft) umrechnen:

Plus 5, geteilt durch 5

 Ein 20 kn Wind entspricht somit 20+5=25 | 25/5=5 bft. Ein 25 kn Wind entspricht 6 bft und für die Meisten wird es jenseits davon ungemütlich. Natürlich führt diese vereinfachte Formel dabei aber lediglich zu approximierten Werten und eine exakte Umrechnung ist aufgrund der unterschiedlichen Natur der Skalen komplex.

Windstärke in m/s

Was ist aber, wenn die Wetter App Windgeschwindigkeiten in m/s angibt? Eine Seemeile hat 1852 Meter und wir sprechen von 60*60=3600 Sekunden pro Stunde. 3600/1853=0,514.., oder rund ½. 20 kn sind also ganz einfach 10 m/s!

2 kn = 1 m/s

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