Grabner Happycat

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Taugt ein aufblasbarer Katamaran für ernsthafte Segler? Sicher nicht in jedem Fall. Beim alteingesessenen österreichischen Schlauchboothersteller hat sich nach vielen Jahren der Happycat jedoch zu einem Boot mit hervorragenden Segeleigenschaften und vielen Möglichkeiten zum Segeltrimm gemausert. Die neue Rumpfform ist schnell, nicht so schnell wie die einiger Regatta-Katamarane, die meist auch erheblich mehr Segelfläche haben, aber deutlich schneller als die vieler Einrumpfboote.

Drei Happycat Versionen:

NEO: Der kommt einem Spielzeug noch am nächsten, ist aber mit einer Rumpflänge von 420 cm kompakt und mit 59 kg für eine Person leicht zu handhaben.

  • EVO: Mit 465 cm Rumpflänge ein ernsthaftes Segelgerät für 2-3 Erwachsene auf Binnengewässern, mit Bugversteifung auch bei Wellengang.
  • HURRICANE: Mit 495 cm Rumpflänge und höheren Schwimmkörpern deutlich mehr Auftrieb, Bugversteifung und weiteres serienmäßig, mit 3 bis 4 Erwachsenen auch bei Wellengang noch einsetzbar.

Lange habe ich zwischen den letzten beiden Optionen gezaudert. Der EVO ist kompakter und leichter, daher alleine besser zu transportieren und zu slippen. Aus dem Wasser ist es leichter, sich auf die niedrigeren Schwimmkörper hinaufzuziehen, und durch den geringeren Überstand am Bug ist er mit nachgerüsteter Bugversteifung etwas steifer. Wie viele Vorteile der Kugelmastfuß dem HURRICANE gegenüber dem einfacheren beim EVO beschert, ist schwer abzuschätzen, aber dafür kostet der auch um Einiges weniger. 

Meine Wahl fiel am Ende trotzdem auf den HURRICANE, weil es erfahrungsgemäß am teuersten ist, zu niedrig gegriffen zu haben und zweimal kaufen zu müssen. Rückblickend wäre der EVO mit nachgerüsteter Bugversteifung und Fockfallflaschenzug wohl eine weitgehend ebenbürtige, aber leichtere und etwas kompaktere Alternative gewesen.

Was sehe ich heute als die Vorteile dieser Gummi-Cats?

  • Geringes Gewicht (HURRICANE 85 kg, EVO 79 kg) und daher beim Transport und Slippen noch alleine zu handhaben.
  • Relativ kleine Packmaße, in meinem VW-Bus oder einem Kombi leicht ohne Anhänger überall hin zu transportieren, sodass man neue Regionen auch einmal vom Wasser aus erkunden kann.
  • Weitgehend unverwüstliche Rümpfe, man braucht keine Fender beim Festmachen und wenn einem beim Anlegen eine Winddrehung den Aufschießer versaut und man doch einmal am Steg anrempelt, hat man nicht gleich eine Delle oder gar ein Loch im Rumpf. Auch sind die Rümpfe hier nicht aus PVC und treiben einem allerlei Chemikalien in die Haut, sondern aus einem mehrschichtigem, beidseitig mit Gummi beschichtetem Gewebe.
  • Die Happycats mögen kein Schnäppchen sein, dafür spart man sich aber Kosten für Anhänger, Liegeplatz, Winterlager usw. und ist hochgradig flexibel.
  • Die Segelfläche liegt unter der Grenze, ab der man in manchen Gewässern einen Segelschein braucht.

Zubehör

Grabner bietet einiges Zubehör für seine Happycats an, viel davon zu einem gehobenen Preis. Manches findet man anderswo günstiger, anderes sollte man sich trotz des saftigen Preises zulegen:

  • Pumpe: Den HURRICANE mit der Hand aufzupumpen empfiehlt sich nur für Leute, die das als Ausdauersport betrachten und viel Zeit zum Aufbauen haben. Die Investition in eine Scoprega Bravo BST 800 Pumpe mit Batterie habe ich nie bereut. Sie besteht aus einem Turbinengebläse mit hohem Luftdurchsatz und einer Kolbenpumpe, die am Schluss den Druck aufbaut, mit automatischer Um- und Abschaltung bei Erreichen des eingestellten Drucks. Während so die Rümpfe automatisch aufgeblasen werden, hat man die Hände frei, um den Aufbau seines Happycats an anderer Stelle voranzutreiben.
  • Slipräder: Grabner bietet Slipräder an, die man hinten am Alurahmen des Happycats anschraubt. Sie können dann einfach heruntergeklappt werden und rasten ein, sodass man den Happycat darauf rollen kann, wenn man ihn am Bug anhebt. Selbst zu zweit ist der HURRICANE schwer zu tragen, irgendetwas braucht man daher, wenn man ihn nicht verschleißen will, indem man ihn ständig über den Boden schleift.
    Vorteil: Man hat die Slipräder immer dabei, man kann seinen Happycat also auch an anderer Stelle aus dem Wasser ziehen, als wo man ihn hineingeslippt hat – und sie können auch nicht verschwinden, während man seinen Spaß am Segeln hat.
    Nachteil: Da die Slipräder weit hinter dem Schwerpunkt des Happycats montiert werden, hat man vorn beim Anheben des Bugs sehr viel Gewicht auf den Fingern. Will man das Boot mehr als ein paar Meter bewegen, wird das alleine sehr anstrengend! Auch wiegen die Slipräder samt Montagematerial satte 6,5 kg, die man beim Segeln dann ständig dabei hat und die man auch mit hochziehen muss, wenn man seinen Happycat nach einer Kenterung wieder aufrichtet. Bei schneller Fahrt in Wellen tauchen die hochgeklappten Räder immer wieder ins Wasser ein und spritzen (und bremsen dabei). Und schließlich sind die Räder recht klein, sodass sie auf weichem Untergrund, z. B. Sand, schwer rollen.
  • Slipwagen: Ein Eco-Line Slipwachen von cadKat kostet sogar weniger als die Slipräder von Grabner. Dieser Wagen besteht einfach aus einer längenverstellbaren Achse, zwei 40 cm Rädern und zwei Schalen, auf die man den Rumpf des Katamarans auflegt. 
    Vorteil: Wenn man ihn nahe dem Schwerpunkt bei den Wanten auflegt, trägt der Wagen das Gewicht und man kann seinen Happycat recht leicht auch über längere Strecken zum Wasser rollen, wobei die größeren Räder auch unebenes Terrain hinnehmen. Beim Segeln hat man dann kein unnötiges Gewicht dabei und da der Slipwagen verstellbar ist, kann man ihn auch dann weiter nutzen, wenn man auf einen anderen Katamaran umsteigt.
    Nachteil: Auch wenn man Räder zum Verstauen schnell abnehmen kann, hat man ein zusätzliches Teil, das man nach dem Slippen irgendwo zurücklassen muss. Und es dauert deutlich länger, bis man im Alleingang den Wagen in der richtigen Position unter den Happycat gebracht hat. Im Wasser kann man ihn noch relativ leicht unter die schwimmenden Rümpfe drücken, aber an Land muss man dazu den Happycat gleichzeitig am Heck ziemlich weit anheben und hat dann trotzdem seine Schwierigkeiten, den Wagen weit genug nach vorn zu schieben.
  • Kenterschutzboje: Dieser Auftriebskörper wird am Masttop befestigt und verhindert das Durchkentern des Happycats, das sonst unweigerlich passieren würde, wenn er umfällt, der Mast voll läuft und am Schluss senkrecht nach unten ragt, während der Happycat falsch herum auf seinen Schwimmkörpern liegt.
    Vorteil: Der Happycat ist nach einer Kenterung viel leichter wieder aufzurichten, wenn er nur auf der Seite liegt und das Masttop aufschwimmt. Besonders in seichten Gewässern mit weniger als 7 m Wassertiefe besteht auch die Gefahr, dass der Mast beim Durchkentern beschädigt wird, oder zumindest Masttop, Umlenkrollen und Segeltop erheblich verdrecken.
    Nachteil: Bei einem auf der Seite liegenden Happycat fängt das relativ große Trampolin den Wind und das kann dazu führen, dass er schneller abdriftet, als man schwimmen kann, wenn man sich aus irgendwelchen Gründen nicht daran festhalten konnte. Durchgekentert ist er hingegen im Wasser verankert und treibt praktisch nicht ab. Am Meer könnte dieses Abtreiben im ungünstigsten Fall zum Verlust des Bootes führen, bei Strömung allerdings womöglich auch im durchgekenterten Zustand. Auf Binnengewässern macht ein abgetriebener Happycat womöglich langwierige oder kostenpflichtige Bergungsaktionen erforderlich.
  • Bugverdeck: Dieses Netz bedeckt die Fläche vor dem Trampolin bis zur Bugversteifung. Man kann darauf herumlaufen und kommt so viel leichter z. B. ans Vorsegel, wenn der Happycat auf dem Wasser ist. Man kann es nicht so straff spannen wie das Trampolin, aber es ist mit zahlreichen Schlaufen bestückt, an denen man Festmacher, Anker, wasserdichte Taschen und mehr festzurren kann.
  • Sitzkissen: Auch die Grabner Sitzkissen sind kein Schnäppchen. Sie sind robust, bequem und passen farblich zum Boot, aber bei viel Wind stören sie mich manchmal eher beim Herumrutschen auf dem Trampolin. Meine Empfehlung: erst einmal ohne probieren und nur dann kaufen, wenn man sie vermisst!
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